Garten- & Landschaftsbau-Verband

Dächer dauerhaft und sicher begrünen

FA Dachbegruenung 3 smal

Die negativen Auswirkungen der Flächenversiegelung lassen sich mit einer Dachbegrünung als Ausgleichsmaßnahme deutlich mindern. Dabei verlängert eine Extensivbegrünung die Lebensdauer der Dachabdichtung deutlich, verbessert das Klima und steigert den Gebäudewert. Um die Vorteile einer Dachbegrünung für Gebäude und Umwelt langfristig sicherzustellen, sind zentrale Themen bei Planung und Ausführung des Dachaufbaus bezüglich Abdichtung, Statik und Entwässerung zu beachten.

Der mehrschichtige Dachbegrünungsaufbau Als Regelaufbau für Dachbegrünungen haben sich mehrschichtige Bauweisen mit Funktionstrennung der Vegetationstragschicht, Filterschicht und Drän-schicht durchgesetzt.

Ziel der Extensivbegrünung ist eine naturnah angelegte Vegetation mit geringen Flächenlasten und minimalem Pflegebedarf. Als bestandsbildende Pflanzen werden bei Extensivbegrünungen in der Regel Sedumarten eingesetzt.

Sedumpflanzen bevorzugen nährstoffarme Standorte, Frost, Wind, Hitze und Trockenheit auf dem Ex-tremstandort Dach können ihnen nichts anhaben. Mit ihnen lässt sich also eine naturnah angelegte Vegetation mit geringem Pflegebedarf sicher und dauerhaft erreichen. Bei ausreichend Wurzelraum lassen sich Sedumpflanzen mit trockenresistenten Kräutern zur Vegetationsform Sedum-Kraut ergänzen.

FA Dachbegrünung 1 smalVegetationsentwicklung und Pflege Extensivbegrünungen sind pflegeleicht, jedoch nicht pflegefrei. Um Differenzen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer hinsichtlich des Leistungsumfangs der Pflege zu vermeiden, empfiehlt sich eine eindeutige Beschreibung der nötigen Pflegeleistungen und des Begrünungsziels.

Allgemein ist bei Extensivbegrünungen von einer natürlichen Vegetationsdynamik auszugehen. Das bedeutet, dass z. B. standortgerechte Fremdvegetation von Kräutern und Moosen keinen Mangel darstellt, sondern zu tolerieren ist. Einwandernde Arten aus der Umgebungsflora können die Dachbegrünung sogar nachhaltig bereichern. Insbesondere schwankende Klimabedingungen wirken sich auf Vegetationsentwicklung und Fremdaufwuchs aus: Ein verregneter Sommer kann selbst Extensivbegrünungen mit geringer Schichtdicke in wechselfeuchte, in Kombination mit Schatten und stehendem Wasser sogar dauerfeuchte, Standorte verwandeln. Lange Trockenphasen bewirken natürlich den gegenteiligen Effekt. Die Vegetation von Extensivbegrünungen darf also nicht zu statisch betrachtet werden. Neben der Beseitigung von unerwünschtem Fremdbewuchs gehört bei Bedarf die Düngung zu den Pflegemaßnahmen. Nährstoffmangel zeigt sich zum Beispiel durch kümmerlichen Bewuchs, abnehmenden Deckungsgrad oder eine auffällig rote Färbung. Wässern ist bei etablierten Extensivbegrünungen nicht nötig, lediglich bei Neuanlagen kann während Trockenperioden eine Notbewässerung erforderlich werden.

Bis sich die gewünschte Vegetation nach ein bis zwei Vegetationsperioden flächendeckend entwickelt hat, ist der Pflegeaufwand etwas höher. Danach genügen ein bis zwei Pflegegänge im Jahr, idealerweise im Frühjahr und im Herbst, außerdem die jährliche Kontrolle und Reinigung der Entwässerungseinrichtungen.

FA Dachbegruenung 8 smalFA Dachbegruenung 9 smalDrain- und Filterschicht Überschusswasser, das nicht von den Pflanzen aufgenommen werden kann, sollte gerade bei den im Industriebau weit verbreiteten Leichtdachkonstruktionen mit geringer Tragfähigkeit schnell und sicher abgeleitet werden. Diese Aufgabe übernimmt die Dränschicht, die auch aus einer Kombination von Wasserspeicher- und Dränschicht bestehen kann. Auf dieser Dränschicht verhindert ein Filtervlies, dass Feinteile aus dem nachfolgenden Substrat in die Dränschicht einwandern können und sichert so deren dauerhafte Funktion.

Vegetationssubstrat Für Dachbegrünungen werden mineralische Substrate mit geringen Anteilen organischer Substanz eingesetzt. Mineralische Rohstoffe sind z. B. Lava, Bims Tonschiefer, Blähschiefer oder Claylith. Neben den vegetationstechnischen Eigenschaften der Substrate als Wurzelraum, Wasser- und Nährstoffspeicher, ist die Struktur- und Lagerungsstabilität ein wichtiger Faktor. Die Lagesicherheit ist vor allem von der Kornstruktur und dem Trockengewicht anhängig. Starke Sackungen lassen sich durch eine gleichmäßige Kornverteilung und einen geringen Anteil organischer Substanz vermeiden.

Flächengewichte Das Flächengewicht des Gründachaufbaus wird wesentlich durch das Substrat bestimmt. Je Zentimeter Schichtdicke beträgt das Gewicht der marktüblichen Mineralsubstrate ca. zehn bis 13 Kilogramm pro Quadratmeter in wassergesättigtem Zustand. Das Flächengewicht des gesamten Aufbaus beträgt bei einer Sedumbegrünung mit einer Schichtdicke von sechs Zentimeter Substrat inklusive Vegetation, Filter- und Dränschicht rund 80 bis 100 Kilogramm pro Quadratmeter. Wo die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion den Aufbau begrenzt, kann mit speziellen Leichtgründachsystemen die Substratschichtdicke auf vier bis fünf Zentimeter und damit das Flächengewicht des Gründachaufbaus auf 60 bis 70 Kilogramm pro Quadratmeter reduziert werden.

Abflussverhalten Gründächer wirken wie ein Wasserstopp. Ein großer Anteil der Niederschläge verdunstet an der Oberfläche von Substrat und Vegetation. Selbst in wassergesättigtem Zustand bietet der Schichtaufbau einer Dachbegrünung ausreichend Grobporenvolumen als Puffer, um bei den zunehmenden Starkregen die entwässerungstechnisch problematischen Abflussspitzen merklich zu reduzieren. Schon dünnschichtige Extensivbegrünungen verringern den Spitzenabfluss um 50 bis 70 Prozent.

FA Dachbegruenung 7 smalImmer mehr Gemeinden führen Versiegelungsgebühren ein. Dachbegrünungen werden in der Regel als Ausgleichsmaßnahme entsprechend ihres Abflussbeiwertes anerkannt. Der Abflussbeiwert gibt das Verhältnis von Niederschlag zum Abfluss an. Für vollständig versiegelte Flächen beträgt der Abflussbeiwert 1. Mit zunehmender Wasserrückhaltung bzw. Abflussverzögerung reduziert sich dieser Wert. Die ÖNorm L 1131 „Gartengestaltung und Landschaftsbau – Begrünung von Dächern und Decken auf Bauwerken“ enthält Angaben zum Abflussbeiwert von Extensivbegrünungen in Abhängigkeit von den Schichtdicken.

Bei mehr als zehn Zentimeter Schichtdicke kann nach ÖNorm L 1131 zum Beispiel mit einem Abflussbeiwert C = 0,3 gerechnet werden. Mit speziellen Substraten lassen sich auch bei weniger als zehn Zentimeter Schichtdicke Abflussbeiwerte < 0,3 realisieren.

Lagesicherheit Ohne schützende Vegetation ist die stoffabhängige Verwehgeschwindigkeit an der Oberfläche der Substratschüttung entscheidend für die Lagesicherheit. Dachsubstrate bestehen aus Stoffen mit guter Verzahnung und gebrochener Kornstruktur. Ab einem Trockengewicht von 800 Kilogramm pro Kubikmeter sind Vegetationssubstrate bis 20 Meter Gebäudehöhe und bis zu einer Windgeschwindigkeit vom 25 m/s daher nicht besonders erosionsgefährdet. Falls bei hohen Windgeschwindigkeiten dennoch Substratverfrachtungen auftreten, sind diese in der Regel lokal begrenzt und können im Rahmen der Pflege nachgearbeitet werden. Die Begrünung erhöht die Lagesicherheit nachhaltig. Denn die Rauigkeit der Oberfläche verringert die Windgeschwindigkeiten, und durch die Verwurzelung wird der Gründachaufbau im Vergleich zur Einzelkornlagerung bei Kies großflächig festgelegt.

neu smalNachhaltigkeit Dachbegrünungen werden zunehmend als Ausgleichsmaßnahme gefordert. Statt weiterer Flächenversiegelung könnten Industriegebiete und Wohnanlagen mit Gründächern wertvolle Beiträge für Klima, Umwelt, Mensch und Tier leisten. Die Vorteile überzeugen: Extensivbegrünungen speichern Wasser, binden Staub und heizen sich auch bei extremen Temperaturen kaum auf. Dachbiotope bieten Lebensraum für seltene Vogel- und Insektenarten. Die Begrünung steigert aber auch Image und Immobilienwert, schützt die Dachabdichtung dauerhaft vor Hitze, Extremtemperaturen, Hagel, Sturm, Strahlung und sonstigen Witterungseinflüssen und verlängert deutlich ihre Lebensdauer.

Fazit Die Investition in grüne Dachlandschaften lohnt sich unter allen ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten. Dünnschichtige Aufbauten und eine naturnah angelegte Vegetation machen die Extensivbegrünung zu einer kostengünstigen und pflegeleichten Form der Dachbegrünung.

Text Ing. Peter Balogh | Fotos/Grafiken Bauder

 

Aktuelle Fachartikel

Profibaustoffe Fusszeile Web 2018   

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Datenschutzerklärung einverstanden Ablehnen