Garten- & Landschaftsbau-Verband

Der Teichrand – die ewige Schwachstelle

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Seit gut 20 Jahren predigen Fachleute, Berater und Gutachter die Bedeutung eines funktionierenden Teichrandes. Er muss Kapillarbrücken dauerhaft unterbinden, die Folie stabil halten und das Eindringen von Oberflächenwasser verhindern. Viel hat sich verbessert, trotzdem bleibt dieser Bereich nach der falschen Kundenberatung die Schwachstelle Nr. 1 im Teichbau.

Nicht zuletzt durch die intensive Aufklärung und Schulung des Verbands für Schwimmteich- und Naturpoolbau und auch dank der klaren Vorgaben in der ÖNorm L 1128 hat sich die Situation sehr verbessert. Waren im Jahr 2013 noch drei von vier überprüften Teichen mit Mängeln im Bereich dieses wichtigen Übergangs zu finden, war es 2017 nur noch einer von fünf. Aber auch „nur noch“ 20 Prozent zum Scheitern verurteilte Anlagen sind kein Grund zum Jubeln. Ist auch echtes Bemühen des Teichbauers zu erkennen, steckt das Übel meist im Detail. Eine bautechnische Lösung, die optisch den perfekten Teichrand erzeugt, muss noch lange nicht den Erfordernissen entsprechen.

Kapillarsperre Teichrand Der Teichrand muss eine Kapillarsperre sein. Dies wird durch die Verwendung von Kies mit Korngröße größer als vier Millimeter bei teichartig gestalteten Anlagen sichergestellt. Wichtig ist dabei, das Schutzvlies innerhalb der Folie nicht über den Teichrand zu ziehen und 20 Zentimeter davor endet. Selbst wenn kapillarhemmendes Vlies verwendet wird, kommt es über kurz oder lang durch die Ansammlung von Feinanteilen im Vlies unweigerlich zu Kapillarbrücken. Genauso entscheidend für die Funktion ist die Kontrolle und Pflege. Gerne wachsen Pflanzen über den Teichrand – sowohl von innen als auch von außen. Auch Staub und zersetzte Biomasse füllen den Kies langsam, und der „nach oben“ wachsende Rasen tut sein Übriges, um einen Schluss von saugenden Materialien zu erzeugen.
Diffiziler wird die Sache bei architektonischen Anlagen. Da wird die Folie, oft auch noch mit Vlies geschützt, über die Poolwand gezogen, punktuell befestigt und dann mit Natursteinplatten oder ähnlichem abgedeckt. Dieser „saubere“ Abschluss hat genug feine Zwischenräume, die wassergefüllt perfekte Kapillarwirkung erzielen. Gut zu beobachten ist dieses Phänomen durch die Moosbildung zwischen Folie und Abdeckplatte.

Teichbau 5 smalKonkrete Problemstellen „Aber wo liegt denn eigentlich das Problem?“, fragen sich sicher viele – die Kapillarwirkung „reißt“ irgendwann ab und der Wasserspiegel „steht“. Dies ist grundsätzlich richtig. Trotzdem ist zu beobachten, dass Anlagen mit Kapillarbrücken Probleme machen. Das liegt einerseits daran, dass die Kunden aus optischen Gründen doch oft nachfüllen und mit dem Füllwasser immer wieder Nährstoffe einbringen. Anderseits ist Wasser ein perfektes Lösungsmittel und gleicht unterschiedliche Salzkonzentrationen aus. So saugt es Wasser heraus und Nährstoffe aus dem Umland hinein. Deswegen ist auch ein funktionierender Überlauf von großer Bedeutung, da der gleiche Effekt des Ansaugens von Nährstoffen über die übertretende Wasserfläche passiert.

Genauso essenziell wie die Unterbindung von Kapillarbrücken ist es, das Eindringen von Oberflächenwasser auch bei Starkregen zu verhindern. Was einfach klingt, schafft in der Praxis mehr Probleme als es Teichbauern wie Kunden lieb ist.

Fachgerechte Ausführung laut Norm In der Norm gibt es drei Vorschläge, wie ein Teichrand fachgerecht auszuführen ist:

Variante 1: Der Teichrand ist zehn Zentimeter über das Umland zu ziehen. So wird sichergestellt, dass auch bei einem Jahrhundertniederschlag von 100 Litern pro Quadratmeter nichts über Beet- oder Wiesenflächen ins Badegewässer dringt. Hier gab es in der Branche viel Aufregung und Unsicherheit. Erstens: Muss eine Teichanlage einem 100-jährigen Niederschlag standhalten? Kommt das überhaupt vor? Ja und Ja ist die pragmatische Antwort! Wir müssen uns auch als Teich- und Naturpoolbauer auf geänderte Wetterverhältnisse einstellen. Durch die Erwärmung der Atmosphäre wird immer mehr Feuchtigkeit in der Luft gehalten und die Starkregenereignisse nehmen dramatisch zu. Um die 100 Jahrhundertregen gibt es, natürlich regional beschränkt, pro Jahr in Österreich. Befindet sich eine Anlage in so einem Unwettergebiet, wird massenhaft Nährstoff hineingespült und die Sanierung wird kostspielig. Oder der Ärger des Kunden dauert Jahre, bis sich sein Gewässer wieder eingependelt hat. Das permanente Algenwachstum bringt der Kunde sehr bald nicht mehr mit dem Starkregen in Verbindung und er verbreitet seine Unzufriedenheit über sein Badegewässer und über den Anbieter.

Eine zehn Zentimeter hohe Stufe ist optisch nicht tolerierbar. Das ist verständlich, wird aber auf der anderen Seite auch nirgends gefordert. Ob dieser Niveauunterschied als zehn Zentimeter hohe Kante oder als flach auslaufende Böschung ausgeführt wird, bleibt den gestalterischen Wünschen des Kunden oder den Anforderungen des Planers geschuldet. Als Landschaftsgärtner versuchen wir sehr gerne, der Natur nachempfundene Gärten zu gestalten. In der Natur sammelt sich das Wasser an der tiefsten Stelle. Die ist oft auch der Anspruch beim naturnahen Badegewässer. Poolbauer haben damit weniger Probleme und bauen bis zu 30 Zentimeter hohe Mauern um ihre Becken, um das Eindringen von Oberflächenwasser auszuschließen. Denn auch bei desinfizierten und vergifteten Gewässern wäre dieser Eintrag problematisch und von den Systemen nicht zu verkraften.

Teurere, aber optisch wie bautechnisch perfekte Lösungen bieten Schlitzrinnen oder Rigole. Die Entwässerungskammer liegt in der Regel 10 bis 15 Zentimeter unter dem Niveau und erfüllt damit die Anforderung der Norm. Zu beachten ist dabei jedoch, dass das Wasser frei auslaufen kann und eine regelmäßige Reinigung gewährleistet ist.

Variante 2 – meist in Kombination mit Variante 1: Während die Variante 1 in der Ebene sehr gut umsetzbar ist, muss sie in geneigten Gärten mit Variante 2 kombiniert werden. Da es praktisch nicht mehr möglich ist, Oberflächenwasser beim Teichrand abzufangen und abzuleiten, werden oberhalb der Anlage Gräben, Rinnen oder Aufwallungen errichtet, die das Wasser bereits vor dem Badegewässer abfangen und schadlos ableiten. Zu beachten ist dabei, dass Mulden „zuwachsen“ und sich Aufwallungen abflachen. Das heißt, dass diese Einrichtungen wie die Kapillarsperre jährlich zu überprüfen und gegebenenfalls wiederherzustellen sind. Um die Eingriffe im Garten dabei so schonend wie möglich durchzuführen, empfiehlt sich z. B. der Einsatz eines Sodenschneiders zur Vertiefung von Mulden im Rasen. So kann nach der Erneuerung des Grabens der Originalrasen wieder verlegt werden und dem Kunden bleibt die jahrelange Veranschaulichung dieser Maßnahme nach Verwendung von Rollrasen erspart.

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Entscheidend bei der Planung ist dabei auch die Einbeziehung des Umlandes. Manches Mal ist die Errichtung einer Garten-(sockel-)mauer an der oberen Grundstücksgrenze die einzige Möglichkeit, Wassermassen vom Teich oder Pool fern zu halten. Hier die Augen zu verschließen, ist grob fahrlässig, und die Ausrede, das ist dem Kunden zu teuer, mehr als kurzsichtig. Immer öfter kommt es zu Totalsanierungen, weil von Feldern oberhalb der Gärten kubikmeterweise Schlamm in die Teiche gespült wurde. Auf den Kosten dieser Sanierungen bleiben in der Regel die Kunden sitzen, da hier Versicherungen nicht greifen.

Gerne werden diese Maßnahmen der Wasserableitung in der Bauphase missachtet. Wir setzen teure gewaschene und zertifizierte Materialien ein und riskieren bei Regen das Einspülen von Erde und Nährstoffen. So dies passiert, ist die völlige Entfernung aller Schüttgüter die einzige Rettungsmaßnahme. Das „Ausspülen“ von Erde, Schlamm und Lehm mit Feuerwehrschläuchen ist eine kosmetische Alibihandlung, die die spätere Qualität nicht rettet. Nach langem Ärger, Verbesserungsversuchen, Einsatz von Gift und Nerven, bleibt im Endeffekt nach Verlust der Reputation doch nur die Totalsanierung vor der Klage.

Variante 3: Diese Variante ist meist nur eine theoretische, die sich vor allem in verbauten Gebieten kaum realisieren lässt. Es geht darum, einen Retentionsraum zu schaffen, der die zu entwässernde Fläche in Quadratmeter mal 0,1 Meter aufnehmen kann. Selbst bei kleineren Gärten von z. B. 500 Quadratmetern benötigt man somit 50 Kubikmeter Volumen, das als Sickerschacht oder Sickermulde auszuführen ist. Da es ja selten nur um die betreffende Liegenschaft, sondern auch um das angrenzende Umland geht, sind die benötigten Räume riesig. In der Praxis bleibt dann oft nur der Keller des Nachbarn als geeigneter Retentionsraum zur Verfügung …

Stabilisieren der Teichfolie Die oben beschriebenen Aufgaben des Teichrandes bedingen zwangsläufig die dritte: Das Stabilisieren der Teichfolie. Sollte der Teichrand absinken, entsteht gleichzeitig ein „Gully“, über den Oberflächenwasser in die Anlagen läuft. Auch Kapillarbrücken durch überlaufendes Wasser oder eingeschwemmte Feinanteile sind die Folge. Besonders dramatisch kann die Situation bei der Kombination einer natürlich gestalteten Anlage mit einem betonierten Schwimmbereich bringen. Sinkt der Teichrand z. B. durch Setzung des Arbeitsgrabens ab, läuft Teichwasser hinter die Mauer. Durch die Durchfeuchtung der Hinterfüllung setzt sich das Material weiter und es läuft immer mehr Wasser hinter die Abdichtung. Im Extremfall kann es zum Bruch der Schwimmbereichsabgrenzung und somit zum Totalschaden kommen.

Teichbau Aufmacher smalFazit Dieser lange nicht komplette Auszug an Problemen und Schwierigkeiten ist den meisten Planern durchaus bewusst. Auf der Baustelle arbeitet jedoch oft Personal ohne grundsätzliches Basiswissen, das sich der Bedeutung von kleinen Fehlern nicht bewusst ist. Daher ist es unerlässlich, dieses Wissen über die Zusammenhänge auch zu den ausführenden Mitarbeitern zu bringen. Deshalb bietet auch der Verband Österreichischer Schwimmteich- und Naturpoolbau innerbetriebliche Schulungen an, in denen allgemeine Richtlinien und betriebsspezifische Fragen vermittelt und besprochen werden. Alles in allem kann festgestellt werden, dass sich die Qualität der Anlagen von Jahr zu Jahr steigert und das Kundenvertrauen wiederhergestellt ist. Zuwachsraten im zweistelligen Bereich zeigen diesen Erfolg auch wirtschaftlich.

Text | Fotos Ing. Franz Kubacek

 

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