Garten- & Landschaftsbau-Verband

Gehölzverwendung: Trends und Anforderungen

Foto ZoonarWachala smalBei der Verwendung von Gehölzen gilt es viele Faktoren zu beachten. Nur die richtige Pflanzplanung und Sortenwahl führen zum Erfolg. Wir haben die aktuellen Erkenntnisse aus dem Vortrag von Prof. Dr. Ing Swantje Duthweiler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (D) im Rahmen der Wintertagung 2017 zusammengefasst.

Es lässt sich ein Trend erahnen, dass niedrige Gehölze bei Flächenpflanzungen von Staudenmischungen abgelöst werden. Große Steine finden, hinsichtlich keines Pflegeaufwands und aus ganzjährig dekorativen Kriterien mit einer luftig leichten Anmut von Gräsern, immer mehr Anklang.

In den letzten Jahren werden in privaten Gärten Bäume als Leitpflanzen, in Größen eines bereits gut herangewachsenen Baumes mit großem maschinellen Aufwand verpflanzt. Mehrstämmige Laub- und Nadelbäume sind gute Schattenspender, auch schon in einer Höhe, die in einem Hausgarten nicht drückend wirkt. Selbstverständlich werden Großsträucher und auch ältere Solitärnadelbäume aufgeastet, um gut in Szene gesetzt zu werden. Ein Tipp, der bei Gartenbesitzern immer gut ankommt: Die richtige Stimmungsbeleuchtung mit Licht- und  Schattenspielen zaubert aus einer fachlich durchdachten Bepflanzung ein gemäldeartiges Design.

Großer Beliebtheit erfreuen sich auch Formgehölze aus Koniferen, welche im weitesten Sinn an Bonsais erinnern. Hier ist allerdings ein jährlich mehrmaliger Formschnitt empfehlenswert.
Schmal kegelförmig, fast säulenförmig wachsende Bäume in Reihe mit weiterem Abstand gepflanzt, bilden zwar keinen richtigen Sichtschutz, sorgen aber für eine Einschränkung neugieriger Blicke.

Die Bepflanzung öffentlicher Freiflächen, Parkanlagen oder Parkplätzen wird kleinen Wäldern nachempfunden. Landschaftsarchitekten planen jene auch in Gruppen- oder Quadratrasteraufteilung mit und ohne Unterpflanzung.
Das Angebot an Sortenvielfalt in den Baumschulen wird immer umfangreicher. Ob alle trendigen Gehölze auch den Anforderungen an Klima, Gesetz und Krankheitsresistenz gewachsen sind, wird in vielen Versuchsreihen erforscht. (Wissenswertes siehe Kasten)

Verwendung und Vermehrung autochthoner Gehölze
Die Verwendung und Vermehrung autochthoner Gehölze (gebietsheimische Pflanzenarten bzw. Pflanzgut regionaler Herkunft) wird in Deutschland mit dem Bundesschutzgesetz zur Pflicht. Hierzu wurde 1997 eine Erzeugergemeinschaft autochthoner Baumschulgemeinschaften in Bayern (EAB) gegründet.
Erklärung §40 (4): „Das Ausbringen von Pflanzen gebietsfremder Arten in der freien Natur sowie von Tieren bedarf der Genehmigung der zuständigen Behörde. Künstlich vermehrte Pflanzen sind nicht gebietsfremd, wenn sie ihren genetischen Ursprung in dem betreffenden Gebiet haben. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn eine Gefährdung von Ökosystemen, Biotopen oder Arten der Mitgliedsstaaten nicht auszuschließen ist. Von den Erfordernissen einer Genehmigung ist ausgenommen: Das Ausbringen von Gehölzen und Saatgut außerhalb ihrer Vorkommensgebieten bis einschließlich 1. März 2020; bis zu diesem Zeitpunkt sollen in der freien Natur Gehölze und Saatgut vorzugsweise nur innerhalb ihrer Vorkommensgebiete ausgebracht werden.“

Foto Pixabay smalAutochtones Pflanzgut entstammt von wild wachsenden heimischen Pflanzen, die sich auf natürlichem Weg in der Landschaft ansiedeln und innerhalb ihres angestammten Verbreitungsgebiets der Herkunftsregion standortgerecht verwendet werden.

Warum sollten jene vorwiegend vermehrt werden? Zur Erhaltung der vorgegebenen Anpassungsfähigkeit und der natürlich entstandenen gesamten ökologischen Bandbreite einer Pflanzengattung. In Zukunft soll die regional differenzierte Evolution erhalten bleiben und die Verdrängung des Angestammten schützen.
Die Auswahlkriterien dazu sind: das Saatgut soll einer Mutterpflanze, älter als fünzig Jahre, von einem nicht oder wenig beeinflussten Standort (z. B. Wald, Bach- und Flussufer, extensive Viehweiden, etc.), mit größerem eigenständig entwickelten Bestand einer natürlichen Pflanzengesellschaft, entstammen. Ein Team der EAB erntet vor Ort und übergibt die Samen und Früchte einem Fachbetrieb zur Aufbereitung. Der Betrieb darf aus Verwechslungsgründen noch keine heimischen Wildgehölze produzieren. Die so aufgezogenen Jungpflanzen werden zertifiziert und an EAB-Baumschulen zur weiteren Kultivierung gebracht.

 

Planung klimagerechter städtischer Grünflächen
Die Planung klimagerechter städtischer Grünflächen hängt von anderen Faktoren ab. Die Bedeutung von Grünflächen zur Verringerung des Hitzestresses für Tiere, Pflanzen und Menschen steigt.

Eventuell zu erwartende Voraussetzungsmöglichkeiten:

  • Jahresmittel Temperaturzunahme von bis zu 4 Grad Celsius bis 2100
  • deutlich mehr Sommertage
  • 50 prozentige Zunahme der heißen Tage über 30 Grad Celsius
  • Verringerung von Eis- und Frosttagen
  • Voraussichtlich gleichbleibender mittlerer Jahresniederschlag, jedoch trockenere Sommer mit Hitzewellen, aber auch Starkniederschläge und Stürme

Die klimatische Wirkung eines gesamtstädtischen Freiraumsystems ist abhängig von Größe, Verteilung und Vernetzung. Einzelne Grünflächen haben erst ab einer Größe von ca. einem Hektar ein messbares Eigenklima, das von Grünvolumen, Verteilung und Anordnung der Vegetationsarten abhängig ist. Eine angrenzende lockere Bebauungsstuktur mit hohem Grünanteil und Durchlüftungsbahnen in Windrichtung bringt einen spürbaren Abkühlungseffekt. Eine Begrenzung durch dichte Randbepflanzung oder Mauern sowie tieferliegende Grünflächen in Bezug auf Gebäude verhindern den Luftaustausch und wirken daher wie eine Barriere.

Gestaltungsmuster aus FLL-Regelwerk – Gehölzpflanzung:
„Grundsätze für die funktionsgerechte Planung, Anlage und Pflege von Gehölzpflanzungen“ (www.fll.de)

Die Arten- und Sortenverwendung sollte gut überlegt sein.
Es gibt viele Karten, in denen die Winterhärtezonen Europas als Anhaltswerte eingezeichnet sind, diese richten sich nach den mittleren jährlichen Minustemperaturen. Österreich liegt im Allgemeinen in der Winterhärtezone 6–7, wobei Kleinklimabereiche sogenannte Kalt- und Warmgebiete mit der Härtezone 5 bzw. 8 vorhanden sein können. Große Wasserflächen wirken sich ebenso wie Hanglagen und Kuppen günstig auf das Klima aus, während in Mulden und Tälern für die Pflanzen ungünstigere Bedingungen herrschen. Geschützte Lagen in Wäldern, an Südhängen oder in Stadtgebieten bieten bei sachkundiger Pflege die Möglichkeit, Gehölze noch in einer Zone zu pflanzen, deren Temperatur im Allgemeinen für diese zu kalt ist. Es besteht jedoch die Möglichkeit durch Windschutzmaßnahmen und/oder Bodenverbesserung die Standortbedingungen entscheidend zu verbessern.

Pflanzen können häufig in Gebieten von fünf oder mehr Zonen wachsen. So können z. B. Gewächse der Zone 2 gewöhnlich auch in der Zone 7 gedeihen, d. h. frostunempfindliche Pflanzen wachsen in wärmeren Zonen. Allerdings nicht zu empfehlen ist es, wärmeliebende Gehölze in Tieftemperaturzonen auszupflanzen.

In der nächsten Ausgabe finden Sie eine Auswahl von 20 zukunftsträchtigen Stadtbaumarten sowie Beschreibungen möglicher Stressreaktionen und Krankheiten.

Weiterführende Informationen
Suche nach Gehölzen und ihren Eigenschaften (zum Teil mit Erfahrungsbeschreibungen aus diversen Versuchsreihen):
www.lfl-bayern.de
www.galk.de (Straßenbaumliste)
www.ebben.nl


Gehölzartenliste EAB-Bayern (autochthone Gehölze)
Buchtipp: Bestimmung, Eigenschaften und Verwendung, von Andreas Roloff und Andreas Bärtels

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