Garten- & Landschaftsbau-Verband

2016 – wieder ein Poaannua-Jahr?

PoaannuaMilde Winter, nasse Sommer, immer schärfere Pflanzenschutzgesetze, kaum Poaannua-freies Saatgut, immer mehr Technik im Garten – all diese Punkte begünstigen die Ausbreitung und das Wachstum der ungeliebten Grasart. Prof. Martin Bocksch, Verbandsreferent des Deutschen Rollrasen Verbandes, weiß alles über Poaannua und hat Tipps, um die Einjährige Rispe einzudämmen.

Poa annua (Einjährige Rispe) ist ein fast weltweit vorkommendes, niedriges Untergras. Es ist ein kleines Horstgras mit nur wenigen kurzen, groben Blättern, die fast immer von den längeren Blütenständen, den Rispen, überragt werden. Blätter, Stängel und auch die Rispen sind heller als die meisten anderen Rasengräser. Durch die struppige Struktur fällt das Gras in einem neu angelegten, feinen, homogenen Rasen oder Rollrasen schnell auf.

Die Lebensweise der Einjährigen Rispe ist einfach – keimen, wachsen, Samen bilden. Sobald es zu schwierigen Lebensbedingungen (Hitze, Trockenheit, große Kälte u. a.) kommt, stirbt das Gras ab. Durch die schon „in früher Jugend“ einsetzende intensive Blühtätigkeit hinterlässt es viele keimfähige Samen, und sobald die Bedingungen wieder besser werden, stehen die „Kinder“ da und füllen die Lücke. Deshalb verzichtet das Gras auf ein weitläufiges Wurzelsystem, viele Blätter oder große Nährstoffvorräte.

Unsere üblichen Grasarten halten – mehr oder weniger – Winterruhe. Dieses Verhalten ist in erster Linie tageslängen- und nicht temperaturabhängig. Weil Poaannuawenig Vorräte bildet, muss sie sich ständig mit Energie versorgen. Sie ist daher in der Lage auch bei schlechter Lichtqualität, ab einer Mindesttemperatur von rund fünf Grad Celsius, die maximale Energieausbeute bei der Photosynthese zu erzielen. Diesen Wachstumsvorteil hat Poaannua in den letzten Monaten genutzt und sich in vielen Rasen stärker als in den Jahren zuvor ausgebreitet.

POA ANNUA-FÖRDERNDE FAKTOREN Unterstützung bekommt die Art vielfach von uns Menschen. Wir erleichtern ihr mit Pflegetechniken, die uns entlasten bzw. bequem sind, das Leben. Zum Beispiel durch Einbau von Beregnungsanlagen. Die werden aus falsch verstandener Fürsorge viel zu häufig und so eingesetzt, dass in erster Linie die flach wurzelnde Poaannua optimal mit Wasser versorgt wird.
Soll ein Rasen mit einfachen Düngern kontinuierlich versorgt werden, müssen es fünf bis sieben Einzelgaben über das Jahr verteilt sein. Depotdünger sind – egal ob umhüllt, synthetisch-organisch oder gar völlig organisch – eine Erleichterung. Maximal zwei bis drei Düngergaben im Jahr versorgen die Gräser gleichmäßig mit ausreichend Nährstoffen. Zuerst die Poaannua mit ihren kurzen, flachen Wurzeln. Immer häufiger verbleibt Schnittgut auf der Fläche. Mulchmäher, die das Schnittgut ganz klein zerhacken, führen mit dem Schnittgut Nährstoffe in den Boden zurück – aber auch die Samen der blühenden Poaannua. Dabei müssen diese nicht mal vollständig ausgereift sein um erfolgreich keimen zu können.

Ganz ähnlich ist die Wirkung der immer beliebteren „Robo-Mower“, die völlig autark den Rasen durch Entfernung von nur wenig Blattmasse schonend mähen, aber neben den Blattresten auch die Samen gleich wieder in die Grasnarbe zurückgeben. Nicht unerwähnt bleiben darf die verbreitete Unsitte, den Rasen zu früh im Frühjahr und zu tief zu vertikutieren. Das schafft Lebensraum und ist ein wahres Förderprogramm für die Einjährige Rispe. Sie liegt überall keimbereit im Boden – auch bei niedrigen Temperaturen.

WARUM KEINE CHEMISCHEN MITTEL? Für die Entfernung von Poaannua mit chemischen Mitteln sind erstens die Gräser in ihrem Aufbau und Stoffwechsel zu ähnlich. Meist nehmen die erwünschten Gräser viel mehr Schaden als Poaannua. Zweitens sind dem Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln (PSM) immer engere Grenzen gesetzt. Sie machen den PSM-Einsatz auf Rasenflächen vielfach unmöglich. Das gilt für den Privatgarten genauso wie für den Fußballplatz, den Rollrasenerzeuger oder Saatguterzeuger.

Rasensaatgut wird unter strengen gesetzlichen Auflagen erzeugt, verarbeitet und in den Handel gebracht. In Europa ist eine Poaannua-freie Saatguterzeugung nicht möglich, und auch in den USA nehmen diese Flächen ab. Wir werden uns daher in absehbarer Zukunft mit mehr als weniger Poaannua in unseren Rasenflächen auseinandersetzen müssen.

WELCHE MAßNAHMEN WIRKEN? Um Poaannua einzudämmen, ist es wichtig, eine dichte, geschlossene Rasennarbe zu erhalten. Alles was Poaannua unter Stress setzt – Hitze, Trockenheit, Nährstoffmangel, ein hoher Rasenschnitt – ist hilfreich. Bei etwas Trockenheit muss nicht gleich beregnet werden. Die erwünschten Gräser zeigen uns durch Verlust des Blattglanzes und der Turgeszenz Wasserbedarf an. Auch das Zurückhalten einer Nährstoffgabe kann das Gras in Existenznot bringen.

Im Frühjahr, zur Hauptblüte von Poaannua, sollten Schnittgut und Samen aufgefangen und entfernt werden. Stress geht meist mit vermehrter Blüte einher. Das Entfernen des Schnittguts ist dann noch wichtiger – soll es kein Poaannua-Nachsaatprogramm werden. Auch erwünschte Rasengräser nutzen sich bietende Lebensräume. Regelmäßige Nachsaat ist somit ein wichtiges Verfahren um Poaannua durch dichte, lückenlose Rasennarben zu kontrollieren. Groß ist auch der Einfluss der Schnitthöhe auf die Ausbreitung von Poaannua. Als sehr kleines Gras gehört Poaannua zu unseren tiefschnittverträglichsten Gräsern und kann problemlos bis auf fünf Millimeter tief gemäht werden. Umgekehrt, in einem höheren Rasen in dem sie von größeren Gräsern überdeckt wird, hat die Art mehr Probleme sich auszubreiten. Auf das Vertikutieren kann oft verzichtet werden. Wenn doch, muss das Gerät so flach eingestellt sein, dass die Messer den Boden nur berühren, aber nicht hindurchfräsen und so ein Saatbett für Poaannua bereiten. Nach dem Vertikutieren sollte immer eine Nachsaat erfolgen.

IST GEZIELT POA ANNUA-UNTERDRÜCKTER RASEN MÖGLICH?
Ja. Poasupina, die Lägerrispe, sieht Poaannua ähnlich, blüht jedoch nur einmal und bildet massiv Ausläufer, die sehr dichte Rasennarben bilden. Hier hat Poaannua kaum Chancen, und wenn, sieht man sie in der helleren Narbe kaum. Die Bildung einer geschlossenen Lägerrispennarbe durch Ansaat mit Handelsmischungen dauert Jahre. Rollrasen mit einem höheren Poasupina-Anteil im Saatgut bildet schon nach zwei Jahren eine dichte, frischgrüne – und „Poaannua-freie“ – Rasennarbe. Vertrieben wird Poasupina-Rasen meist als „Schattenrasen“, da die Grasart auch unter diesen Bedingungen dichte
Narben bildet.   

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