Garten- & Landschaftsbau-Verband

Kochen unter freiem Himmel

Foto Dehner Garten smalZuerst war das Wohnzimmer dran – jetzt ist die Küche an der Reihe. Dass sich der Garten zunehmend von der reinen Selbstversorger-Nutzfläche für Obst- und Gemüseanbau zum Wohn- und Lebensraum unter freiem Himmel wandelt, ist kein gänzlich neuer Trend mehr. Zuerst war es das Wohnzimmer, das mit den geeigneten Outdoor-Möbeln nach draußen wanderte und die klapprigen Plastik-Klappsessel von Omas und Opas letztem Campingurlaub gegen gepolsterte Outdoor-Sofas und stabile Loungemöbel fürs stilvolle Leben unter freiem Himmel ersetzte. Jetzt ist die Küche dran sich ebenfalls im privaten Hausgarten zu etablieren und den Grillabend am Lagerfeuer um eine weitere Komponente des temporären Lebens unter freiem Himmel zu bereichern. War die Essenszubereitung im Freien bislang vorrangig eine Männerdomäne, so greift nun vermehrt auch das weibliche Geschlecht zur Grillzange und steuert für das kulinarische Upgrade einen Kochlöffel bei.

Lagerfeuerromantik trifft Lifestyle Mit der Verlagerung des Wohnbereichs während der warmen Jahreszeit nach draußen, steigen auch die Ansprüche an die Gestaltung des Freiraums. Im Garten hinter dem Haus herrschen zunehmend durchwegs häusliche Verhältnisse, brachiale Lagerfeuerromantik an der offenen Feuerstelle wird immer öfter durch gehobenen Lifestyle ergänzt oder aber bisweilen auch von letzterem abgelöst. Das betrifft nicht nur die Sitzgelegenheiten und Lagermöglichkeiten im Freien, sondern vor allem die Gestaltung und Ausstattung der Kochstelle. Diese bleibt im Mittelpunkt des Interesses – sowohl aufseiten der Nutzers als auch bei den Herstellern und immer mehr auch bei den (Möbel)Designern, die im neuen Outdoor-Trend ein weiteres und weites Betätigungsfeld finden. Denn eines steht ganz klar fest: In punkto Funktionalität und Design soll die Küche im Freien ihrem Indoor-Pendant um nichts nachstehen. 

Foto Luise Cohen smalGroße Bandbreite Der holzkohlebefeuerte Gartengrill hat nach wie vor nicht ausgedient, doch wird er den erhöhten Ansprüchen an das mondäne Leben unter freiem Himmel vielfach nicht mehr gerecht. Die fixe, eventuell sogar gemauerte Grillstelle ist schon fast ein Muss. Die blechernen Ungetüme auf zwei wackeligen Plastikrädern, die im Bedarfsfall aus der Garage gerollt werden, gehören langsam aber sicher der Vergangenheit an. Grillen, kochen, braten, backen im Garten ist angesagt und bedarf der entsprechenden (Möbel)Ausstattung. Dabei gilt: Wer sich in Haus oder Wohnung mit einem schlichten Küchenblock zufriedengibt, wird auch auf der Terrasse oder im Garten mit ein paar wenigen Grundelementen schnell das Auslangen finden. Designküchenhobbyköche wollen in aller Regel aber auch im Garten oder auf der Terrasse nicht auf Funktionalität und Luxus verzichten. Die gute Nachricht: Dem Trend nach draußen folgend, bieten immer mehr Küchenproduzenten, Outdoor-Möbelhersteller und Designstudios eine breite Palette an Lösungen. Vergleichsweise günstige, meist qualitätslose Lösungen als Holzbausatz zum selber Zusammenbauen bekommt man neuerdings auch schon beim Möbeldiscounter. Dem gegenüber finden sich im oberen Preissegment die Designerlösungen mit individuell erweiterbaren Modulsystemen. Dazwischen liegt ein breites Feld in unterschiedlichen Qualitätsabstufungen.

Wind und Wetter trotzen Wind und Wetter ausgesetzt, spielt im Außenbereich die Qualität der eingesetzten Materialien, die Pflege und Wartung eine wesentliche Rolle. Schließlich muss die Outdoor-Küche den Elementen trotzen und sollte auch nach einigen Saisonen im Freien noch ein ansehnliches Erscheinungsbild bieten. Materialien wie Aluminium, Edelstahl, Stein- und Betonoberflächen oder widerstandsfähiges Teakholz prägen das Erscheinungsbild der hochwertigen Outdoor-Küchen. Und bei der Materialwahl sollte tatsächlich nicht gespart werden, will man die Küche nicht bei jedem Regenschauer unter entsprechenden Planen verpacken.

Foto Viteo smalVon kompakt bis zur Vollausstattung Was auf die Terrasse oder in den Garten passt, hängt letztendlich natürlich von den örtlichen Gegebenheiten, vom vorhandenen Platz und der Geldbörse ab. Die Modulbauweise kommt den Konsumenten hier sehr entgegen. Sie ist nicht nur flexibel in Anordnung und Aufstellung, sondern ermöglicht bei Bedarf auch die nachträgliche Erweiterung. So reicht das Möbelsortiment von der kompakten Erweiterung des Grillplatzes mit Ablageflächen und Waschplatz bis hin zur kompletten Küchenzeile, die neben Grill auch auf gasbetriebene Kochstellen und/oder Induktionskochfelder nicht verzichtet. Stauraum für Geschirr, Besteck und Kochutensilien, Teppanyaki-Einsatz oder elektrischer Lavagrill, selbstverständlich auch ein Kühlschrank und im High-End-Segment auch gleich ein Geschirrspüler vervollständigen das Angebotssortiment für allerhöchste Ansprüche. Ja selbst auf den integrierten Dunstabzug muss man beim Kochen im Freien nicht verzichten, damit beim Kochen und Brutzeln die Gerüche gleich abziehen. Wozu? Um die Nachbarn weder mit Geruchswolken zu belästigen, noch um sie ungewollt anzulocken. Für diese Rundum-Vollausstattung muss man dann aber auch tief in die Geldbörse greifen und bewegt sich damit in Preisklassen, die in aller Regel mit denen einer Designer-Indoor-Küche mithalten.

Fotos steininger.designers smal

Durchdachte Planung Ebenso wie im Innenraum ist die Planung für den Freibereich die halbe Miete. Wer sich eine Outdoor-Küche zulegen will – egal ob Kompakt- oder Luxusvariante –, sollte sich vorher Gedanken über die persönlichen Anforderungen machen und sich vom Spezialisten beraten lassen. Diese kennen die besonderen Heraus- und Anforderungen an Möbel unter freiem Himmel und bieten vielfach auch speziell maßgeschneiderte Lösungen an. Neben den persönlichen Vorlieben – ob lieber im Freien kochen oder grillen, mit und auf Gas, Holz, Kohle oder elektrisch, spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die Standortfrage. Ganz anders als beim klassischen Gartengrill bekommt die Outdoor-Küche in der Regel einen fixen Standort im Garten zugewiesen und sollte dann auch nicht im Weg sein, wenn sie gerade nicht genutzt wird. Bei der Standortwahl gilt es beispielsweise den Lauf der Sonne zu beachten, Windverhältnisse zu berücksichtigen, einen ausreichenden Abstand zum Nachbarn einzuhalten, ebenso natürlich auch zum eigenen Haus – vor allem, wenn auf offenem Feuer gegrillt oder gekocht werden soll.


Abhängig von der Ausstattung sind höchstwahrscheinlich auch einige Installationsarbeiten erforderlich. Wasser, Abwasser und Stromanschluss – je nach Kochgeräteeinsatz in unterschiedlichen Voltstärken – müssen gut geplant und verlegt werden. Auch eine eventuelle Erweiterung sollte hier schon berücksichtigt werden. Nicht vergessen sollte man zudem auch auf Beleuchtungsmöglichkeiten. Nichts ist ärgerlicher als wenn der Kunde in der neuen, teuren Outdoor-Küche nach Einbruch der Dunkelheit in lauen Sommernächten mit Kerze und Taschenlampe hantieren muss.
Fazit Der Wunsch nach einem erweiterten Lebens- und Wohnbereich im Feien wird vor allem bei den Großstadtbewohnern – die bekanntlich knapp 90 Prozent ihrer Lebenszeit in (geschlossenen) Innenräumen verbringen – sicher nicht so schnell wieder abflauen. Und damit auch nicht der Trend nach Wohnkomfort und Lifestyle im Garten. Somit sollten auch die entsprechenden Lebensszenarien wie kochen, wohnen und in Zukunft vielleicht sogar ein nächtlicher Schlafplatz einen fixen Platz in der Planung und Gestaltung der grünen Freiräume finden.

Text Cervinka Fotos Bernhard Ebner/Concreto Betonmöbel, Dehner Garten, Luise Cohen, steininger.designers.gmbH, Viteo

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