Garten- & Landschaftsbau-Verband

Schwimmteichnorm smalSelten hat eine ÖNorm für so viel Aufregung gesorgt wie die L 1128 – Schwimmteiche und Naturpools. Seit der Veröffentlichung am 1. Mai 2013 sind zwei Saisonen vergangen und es kann eine erste Bilanz über die Auswirkungen gezogen werden.

Der Bau naturnaher Badegewässer ist eine der sensibelsten und eine der schwierigsten Sparten des Garten- und Landschaftsbaus. Kaum ein anderer Bereich der Wirtschaft wird derart am Produkt und nicht am Anbieter gemessen. Die steigenden Anforderungen der Kunden in den letzten Jahren haben die Qualität und damit auch den Preis seriöser Anbieter nach oben schnellen lassen. Mit dem Resultat, dass vor der Norm immer mehr Anlagen von Billiganbietern ohne jeglichen Qualitätsanspruch errichtet wurden. Die Preisdifferenz von meist weit über 50 Prozent konnte nicht mehr allen Kunden vermittelt werden. So entstanden immer mehr nicht funktionierende Badeteiche. Und die Unzufriedenheit der Kunden schwappte weit über deren Gartenzäune – „Das funktioniert alles nicht, bau dir lieber einen Pool!“, war der generelle Tenor.

KEIN LEICHTES UNTERFANGEN Ein spürbar rückläufiger Markt bei steigendem Know-how war die paradoxe Folge. Um den Bau naturnaher Badegewässer auch für die Zukunft zu sichern, war die Schaffung eines Regelwerks zur Sicherung der Qualität und damit des Markts unumgänglich.
Die Schwierigkeit bestand darin, bei einem derart komplexen, jungen und vor allem sich in dynamischer Entwicklung befindlichen Produkt, wie einem Schwimmteich oder Naturpool, einen Stand der Technik überhaupt festzulegen. So ging die damalige Arbeitsgruppe daran, den Weg von der anderen Seite anzugehen: Was erwartet der Kunde, und wie kann dieses Ziel erreicht werden?
Es gibt selbstverständlich viele Wege, zu diesem Ziel zu gelangen. Aber Naturgesetze gelten für alle Bauweisen und können auf natürlichem Weg nicht verändert werden. Phosphateinträge bringen Algenwachstum und müssen weitgehend verhindert werden. Falscher pH-Wert bedingt Nitritbildung und vergiftet die Biozönose. Je nach Typ falsche Pumpenleistungen verhindern die Entstehung der gewünschten biologischen Prozesse usw. Ausgeschlossen oder eingeschränkt wurden somit nicht Systeme, sondern Bauweisen, die diese Gesetzmäßigkeiten missachteten.
Dass auch ein Ehrenkodex Eingang fand, ist in Zeiten steigenden Bewusstseins den Einsatz von Chemikalien betreffend, wohl selbstverständlich. Jegliche Art der Desinfektion und der Hemmung sind verboten.

NEUE NORM MIT BREITENWIRKUNG Der Effekt dieser Norm ist über zwei Jahre nach Veröffentlichung enorm. Die heurige, richtiggehende Explosion des Markts hat sicher mehrere Ursachen. So hat der vergangene Jahrhundertsommer sicherlich viele motiviert, eine Badegelegenheit im eigenen Garten errichten zu lassen. Die politische und wirtschaftliche Situation in vielen Reiseländern hat den Trend zum Urlaub daheim ebenfalls gefördert. Aber diese Faktoren hätten auch ausschließlich dem Poolbau neue Kunden zuspülen können. Die Norm hat das gewünschte Ziel erreicht, das Kundenvertrauen wieder herzustellen. Für viele Teichbauer ist sie sogar zum schlagenden Verkaufsargument geworden. „Ich halte mich an die Vorgaben der ÖNorm L 1128“ hat oftmals den entscheidenden Ausschlag für den Zuschlag erbracht.
Die ungewöhnlich dominierende Rolle der Kundenberatung in einer technischen Norm ist ein weiterer Schritt zu zufriedenen Kunden. Die Erwartungen des Kunden auf das erreichbare Maß zu bringen und den Pflegebedarf ehrlich zu erklären, erspart in der Realität viel Ärger wegen glitschigen Folien und
Algenentwicklungen.

SICHTBARE VERBESSERUNGEN Neben den psychologischen Auswirkungen gibt es aber auch eine echte sichtbare Verbesserung der Anlagen. In der Praxis hat sich gezeigt, dass fast richtig gebaute Anlagen genauso schlimm aussehen wie falsch gebaute Anlagen. Die fehlerfreie Errichtung und die darauffolgende Wartung und Betreuung sind die Eckpfeiler für glückliche Besitzer naturnaher Badegewässer und sichern überdies den Gewinn, weil teures Nacharbeiten entfällt. Die Norm hat viele Teichbauer dazu gezwungen, sich mit den Themen auseinander zu setzen und sich die Vorgänge in den Gewässern bewusst zu machen. Es wird nicht mehr einfach gebaut, es wird überlegt, geplant und dann konstruiert.

RUHE EINGEKEHRT In diesem Zusammenhang muss noch einmal auf die große Protestwelle aus den Reihen der Teicherrichter eingegangen werden. Im Nachhinein kann gesagt werden, dass absolute Ruhe eingekehrt ist. Die meisten, die teilweise aggressiv gegen das Regelwerk wetterten, hatten es gar nicht gelesen oder schlichtweg nicht verstanden. Natürlich gibt es einige Punkte, die überzogen oder entbehrlich sind. Jeder wird Passagen finden, die er gerne korrigieren würde. Aber die Entwicklung solcher Richtlinien entsteht durch einen demokratischen Prozess in einer Arbeitsgruppe. Dabei ist es unmöglich, alle zufrieden zu stellen. Eine Norm ohne Widerstand wäre wahrscheinlich ein zahnloses Gewäsch ohne große Veränderungen zu bewirken.
Auch der Vorwurf, die Norm verhindere Innovationen, kann getrost vergessen werden. Alle Wege, die sich innerhalb der Naturgesetze bewegen und auf natürlichen Grundlagen basieren, bleiben offen und ermöglichen ungehinderte Entwicklung zur weiteren Qualitätssteigerung.
Auch die lauten Schreie aus dem Nachbarland „lasst die Norm in Österreich“ sind mittlerweile gänzlich verstummt, und ein Großteil der österreichischen Vorgaben sind in der einen oder anderen Form in das neue FLL Regelwerk eingeflossen, das sich im Gelbdruck befindet und wahrscheinlich noch im Herbst herausgegeben wird.   

TEXT FRANZ KUBACEK  FOTO VÖSN

 

 

Aktuelle Fachartikel

Profibaustoffe Fusszeile Web 2018   

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Datenschutzerklärung einverstanden Ablehnen