Garten- & Landschaftsbau-Verband

Schwimmteiche und Naturpools – ungleiche Geschwister

schwimmteich 01 smalVom Designer-Pool bis zum üppig grünen Wasser-Dschungel können Landschaftsgärtner mittlerweile so ziemlich alle Kundenwünsche in Sachen natürliches, chlorfreies Badevergnügen im Garten verwirklichen. Dabei sind die biologischen Reinigungsprozesse, die für optisch attraktive Anlagen und klares Wasser sorgen, in den verschiedenen natürlich aufbereiteten Badegewässern höchst unterschiedlich und teilweise sogar gegenläufig.

Wenngleich auch erst wenige Jahrzehnte alt, ist der folierte Schwimmteich die älteste Entwicklung in Sachen natürliches Baden im eigenen Garten. Lange galt die Ansicht, dass in so einem Gewässer „die Natur und ein gesundes biologisches Gleichgewicht ohnehin alles regeln“. Selbstverständlich kann man ein solches Gewässer der Natur überlassen. Dann muss man aber in Kauf nehmen, dass die Natur oft anders funktioniert, als es das menschliche Auge gerne hätte. Trübes Wasser, heftige Algenbildungen oder die Entwicklung von Monokulturen am Gewässerrand sind absolut natürliche Erscheinungen. Davon kann sich jeder bei wiederholten Besuchen von Wiesen-Tümpeln oder kleinen, stehenden Augewässern überzeugen. Die Gewässer selbst haben mit derlei Phänomenen kein Problem, sehr wohl steht das ästhetische Empfinden vieler Schwimmteich-Besitzer dagegen.
Das Schlagwort „biologisches Gleichgewicht“ wird in diesem Zusammenhang oft missbräuchlich verwendet oder falsch interpretiert. Nicht zuletzt dank aufwendig gestalteter Naturdokumentationen verbinden viele Menschen mit dem Begriff einen kristallklaren Bergsee oder ähnlich idyllische Gewässer, die erst durch Störungen („des empfindlichen biologischen Gleichgewichts“) unliebsame Entwicklungen nehmen. Tatsächlich kann aber auch ein Becken einer Kläranlage durchaus im biologischen Gleichgewicht sein, ohne dass irgendjemand gesteigerte Lust empfindet, darin zu baden.
Um Schwimmteiche oder Naturpools so zu errichten und zu betreiben, dass die Anlage dauerhaft den versprochenen Anforderungen entspricht, bedarf es daher schon deutlich mehr an biologischen und bautechnischen Kenntnissen als korrekt zu baggern und wasserdicht zu folieren. Gerade Österreich hat dazu – dank intensiver Zusammenarbeit von Praktikern und Theoretikern der Branche – in den vergangenen Jahren eine Fülle von Forschungsergebnissen und Umsetzungen in konkrete Richtlinien geliefert. Beispiele dafür sind etwa die ÖNorm L 1128 oder die verbandsintern vorgeschriebenen und extern kontrollierten Qualitätsstandards des Verbands Österreichischer Schwimmteich- und Naturpoolbau (VÖSN).

FUNKTION DES SCHWIMMTEICHS So ist ein Schwimmteich – im Gegensatz zum Naturpool – aus heutiger Sicht nach dem Vorbild eines Weihers oder flachen Sees klar als stehendes Gewässer definiert. Die natürliche Reinigung erfolgt zum Großteil im Wasserkörper selbst. Laufende, unvermeidliche Einträge von Verschmutzungen (Staub, Schweiß von Badegästen etc.) werden von Bakterien aufgearbeitet und die frei werdenden Nährstoffe von unsichtbar im Wasser stets vorhandenen Schwebealgen aufgenommen. In der Folge vermehren sich Schwebealgen-Filtrierer – vor allem die großen Wasserflöhe, auch Daphnien genannt. Diese fressen Algen, Bakterien und halten das Wasser weitgehend klar. Sterben die Organismen ab, sinken sie als Sediment zu Boden und können entfernt werden.
In sogenannten Regenerationszonen – dicht bepflanzten oder verkrauteten Flachwasserbereichen – funktioniert die oben geschilderte Nahrungskette besonders effektiv. Vor allem die wichtigen Wasserflöhe lieben solche Areale und meiden eher freie Wasserflächen. Daher ist der Anteil der Regenerationszonen an der Gesamtfläche der Anlage ein entscheidender Erfolgsfaktor bei Planung und Errichtung eines Schwimmteichs. Hier wird die gewünschte Nährstoff- und damit Algen-Armut des Wasserkörpers gefördert. Sumpf- und Röhrichtpflanzen in diesen Zonen spielen also eine Rolle, die direkte Aufnahme von Nährstoffen durch diese Pflanzen ist dagegen eher gering. Sie beziehen ihre lebenswichtigen Düngestoffe in erster Linie aus dem Substrat im Wurzelbereich. Dagegen können echte Wasserpflanzen verstärkt Nährstoffe direkt aus dem Wasser beziehen und tragen direkt zur Wasserklärung bei. Deshalb sollte in den Regenerationszonen auch Platz für diese Pflanzen vorgesehen sein.
Klar ist, dass auch die natürliche Reinigungskraft eines Schwimmteichs über Sedimentation und Wasserpflanzen ihre Grenzen hat. Werden mehr Düngestoffe nachgeliefert, als Nahrungskette und Filtrierer verarbeiten können, bleibt das Wasser dauerhaft trüb. Neben einer Abschottung (Randsperre) gegen zulaufende Oberflächenwässer (Niederschläge) ist daher schon bei der Errichtung dafür zu sorgen, dass die Anlage keine internen Nährstoffquellen aufweist oder entwickelt. So sind alle Baumaterialien (inklusive das Füllwasser) vor der Errichtung auf ihre Nährstoffgehalte zu untersuchen und die gewählten Richtlinien oder Normen einzuhalten.

Ein heikles Thema sind Pflanzsubstrate. Diese sollen einerseits Sumpf- und Röhrichtpflanzen mit den begehrten Düngestoffe versorgen, andererseits das Wasser aber unbehelligt lassen. In der Praxis werden dafür sorgfältig ausgewählte, lehmhaltige Ein- oder Mehrschichtsubstrate eingesetzt, die wenig bis keine Düngestoffe ins darüberliegende Wasser abgeben.

Primär nährstoffarm sind reine Kiesflächen. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass solche Flächen im Lauf des Betriebs unweigerlich als nicht reinigbare Sediment- und sonstige Dreckfallen fungieren. Nach einigen Monaten bis spätestens ein bis zwei Jahren kommt es hier sehr häufig zu heftigen Fadenalgenbildungen, die sich schließlich auch in den Nutzbereich erstrecken können. Im Gegensatz zu den – im Schwimmteich in vertretbaren Maßen durchaus erwünschten – Schwebealgen haben Fadenalgen jedenfalls zum Beginn ihrer Entwicklung einen fixen Wohnsitz. So können sie von lokalen Nährstoffquellen (verschmutzte Kieskörper) besonders effektiv profitieren.

Ebenfalls zu mehr oder weniger heftigen Fadenalgenentwicklungen kann der Einsatz von Filtern in Schwimmteichen führen. Einerseits wird dadurch die Nahrungskette des Schwimmteichs gestört. Effektiv filtrierende Daphnien werden im Filter zurückgehalten, die feinen Schwebealgen jedoch nicht. Andererseits fördert die filterbedingte Wasserbewegung wiederum das Anwachsen von Fadenalgen. Auch dabei erweist sich die Sesshaftigkeit dieser Algen für sie als Vorteil. Laufend strömt Wasser vorbei, die Organismen können die darin enthaltenen Nährstoffe gleichsam herauskämmen. Schwebealgen, welche dagegen mit der Wasserströmung unterwegs sind, haben das Nachsehen.

FUNKTION DES NATURPOOLS
schwimmteich 02 smalEin völlig anderes Reinigungssystem als in den Schwimmteichen wird in Naturpools verwirklicht. Hier wird bewusst Strömung erzeugt und durch einen Filter (z. B. Kies, Steinwolle, Kunststoff) geleitet. Das natürliche Vorbild ist ein Grundwasserstrom, der etwa durch Kies fließt und dadurch immer sauberer und nährstoffärmer wird. Beispielsweise in der Trinkwasseraufbereitung wird das Prinzip seit Jahrhunderten erfolgreich angewendet. Entscheidend sind dabei die Mikroorganismen (Bakterien, Pilze), die sich von Verunreinigungen des Wasserstroms ernähren, organisches Material abbauen und Nährstoffe festlegen.

Im Naturpool wird durch die Tätigkeit der Mikroorganismen im Filter die Bildung von Schwebe- und Fadenalgen im Nutzbereich verhindert bzw. drastisch minimiert. Entscheidend ist dabei die ausreichende Dimensionierung der zur Verfügung stehenden inneren Oberfläche des Filtermaterials. So wird quasi eine Nährstoffwüste (Fachausdruck: Oligotrophie) im Nutzbereich der Anlage erzeugt und aufrechterhalten. Organismen (etwa Schwebealgen, Wasserflöhe) außerhalb des Filterkörpers sind für die eigentliche Reinigung nicht nötig. Aufarbeitung und Festlegung von auch hier laufend eingebrachten Nährstoffen (Staub, Schweiß von Badegästen etc.) passieren fast ausschließlich durch Biofilmbildung und Biofilmwachstum im ständig durchströmten Filter.
Neben der Dimensionierung und der korrekten, gleichmäßigen Anströmung des Filters ist im Naturpool die Auswahl der Baumaterialien (inkl. Füllwasser) noch wichtiger als im Schwimmteich. Pflanzsubstrate – und damit üppig gedeihende Sumpf-, Röhricht- oder gar Wasserpflanzen – vertragen sich weder mit der Nährstoffarmut noch mit der Dauerströmung im Naturpool. Nachdem die Reinigung zum überwiegenden Teil im Filter passiert, muss dafür gesorgt sein, dass es den Filterorganismen nachhaltig gut geht. Stirbt auch nur ein Teil der Filterbiologie ab, kann das nachhaltige Folgen für das ganze System und natürlich für die Optik der ganzen Anlage haben. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Sauerstoffversorgung des Biofilms. Diese muss permanent und in allen Arealen des Filters gegeben sein. Kontraproduktiv sind daher unzureichend berechnete Filterdesigns, die beispielsweise Strömungsschatten zulassen. In solchen Bereichen mit verlangsamter Strömung kann ein Teufelskreis in Gang kommen, indem sich immer mehr Material ansammelt, und der Bereich mit schlechter Durchströmung wächst.
Auch der bestens berechnete Filter kann nicht unendlich Nährstoffe binden. Irgendwann ist der Biofilm um das eingebrachte Material so dicht, dass der Filter gereinigt werden muss. Man könnte auch sagen, der Biofilm, der über Monate erfolgreich aufgebaut wurde, muss nun beerntet werden. Daher bieten moderne Naturpool-Systeme Möglichkeiten an, wie der Filter ohne viel Aufwand gereinigt werden kann. Apropos Ernte: Die entfernte Filterbiologie eignet sich hervorragend als Dünger für den restlichen Garten.

SCHWIMMTEICH VS. NATURPOOL Die Vorteile des Naturpools gegenüber dem Schwimmteich sind besonders klares Wasser und auch optische Sauberkeit – ein Minimum an Pflege vorausgesetzt. Naturfans kommen dagegen kaum auf ihre Rechnung. Üppiges Pflanzenwachstum wird sich nicht einstellen, schon weil Pflanzsubstrate nicht eingesetzt werden dürfen. Auch Kiesflächen - außerhalb der gleichmäßig durchströmten Filterkörper – können als Schmutzsammler den Naturpool in eine Algenzucht mit entsprechendem Pflegeaufwand verwandeln.
Man kann es nicht oft genug betonen: Der Naturpool ist ein Pool. Der Schwimmteich ist da schon toleranter, üppig gedeihende Pflanzzonen sind möglich und erwünscht. Allerdings erreicht ein Schwimmteich auch selten die dauerhafte Wasserklarheit des Naturpools. Wer beides im Garten haben möchte – Nährstoffwüste und damit Klarheit des Naturpools einerseits und Naturerlebnis des Schwimmteichs andererseits – kann immer noch eine kombinierte Anlage andenken. Dabei werden zwei völlig von einander getrennte Wasserkörper optisch zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt. Erfolgreich verwirklichte Beispiele eines Naturpoolbeckens mit eigenem Filter, umgeben vom grünen Dschungel eines Schwimm- oder Gartenteich, gibt es in Österreich mittlerweile genügend.

Entscheidend für die Zufriedenheit des Kunden mit seiner Anlage sind selbstverständlich die Kenntnisse von Planern und Errichtern. Ein ebenso hoher Stellenwert sollte aber den Wünschen und Vorstellungen der späteren Nutzer eingeräumt werden. Werden diese schon vor der eigentlichen Planung ehrlich mit den Vor- und Nachteilen der einzelnen Systeme konfrontiert und erfahrenGrundzüge der biologischen Vorgänge im Gewässer, sehen sie dieses später auch mit anderen Augen. Die flapsige Herangehensweise, frei nach dem Motto zu bauen: „Die Natur wird’s schon richten ...“ soll zwar in Einzelfällen auch schon funktioniert haben, alleine die Trefferquote hält sich in Grenzen.    

Text & Fotos Heinz Jaksch

Aktuelle Fachartikel

Banner baumit GALABAU baumit   

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Datenschutzerklärung einverstanden Ablehnen