Garten- & Landschaftsbau-Verband

Freiraum Beleuchtung

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Wer offen ist für das Spiel mit der Dunkelheit, den eigenen Assoziationen und dem Kehrspiel des Tages, der wird an einer beleuchteten, natürlichen Umgebung sehr viel Freude haben. Garten- und Landschaftsgärtner bauen die Bühne für die eigentlichen Schauspieler, die Pflanzen.

In der Nacht wird die Möglichkeit geboten, die Dinge völlig freigestellt zu betrachten. Je nach Beleuchtungsart können sie dramatisch, surreal, flächig oder tief erscheinen. Eine Silhouetten-Haftigkeit entsteht durch An- oder Hintergrundbeleuchtung. Die Betrachtung einzelner vom Umfeld getrennter Objekte gibt dem Auge, dem Gehirn und dem Geist neue Impulse und bereichert unsere Denkstruktur. Die Zeit, die man nach einem Arbeitstag im Garten verbringen kann, ist wertvoll, sie mit Beleuchtungsmittel zu verlängern erscheint überaus sinnvoll.

Geschichte der Beleuchtung
Wenn man überlegt, begann die Beleuchtung unserer Lebensräume schon sehr früh, mit Fackeln wurden Burg- und Schlosseingänge erhellt und konnten so den Weg weisen, wobei durch die Lichtfarbe bedingt die Entfernung bis dorthin nicht klar zu bezeichnen war. Gaslampen hatten schon ab 1737 eine höhere Lichtqualität. Die Entwicklung des elektrischen Lichts liegt um 1800, als Humphrey Davy einen Lichtbogen zwischen zwei nahe beieinander liegenden Kohle-Elektroden beobachtete. Wobei er etwa zeitnah einen Platindraht durch Stromfluss zum Glühen brachte. Die Verlängerung des Tages konnte nun überall Einzug halten. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts zählte dann die Straßenbeleuchtung zur üblichen innerstädtischen Ausstattung, allerdings aus Sicherheitsgründen.

Moderne Lichtplanung im Garten
Der heutige Lichtplaner versucht die gepflanzten Ideen in der Dunkelheit sichtbar zu machen. Inwieweit sich die Lichtplanung verselbstständigt und Licht zum eigenständigen Thema werden lässt, bleibt den Wünschen des Nutzers überlassen. Allerdings sollte der schwarze Hintergrund der Nacht nicht dazu verleiten, ein von der Garten- und Landschaftsplanung völlig unabhängiges Bild zu malen. Die Möglichkeiten der Technik zum Ansatzpunkt zu nehmen, ist eine große Gefahr für das Gesamtkonzept. Eine gute Beleuchtungsplanung betrachtet Ort, Objekt, Nutzung und Stimmung. Dann erst befasst sie sich mit den Möglichkeiten der Technik.
Die Struktur des Lichts erwirkt unterschiedliche Betrachtungen. So steht flächiges Licht für Großzügigkeit und spotartiges Licht oder Hintergrundlicht für Dramatik. Sicherheit gibt Flutbeleuchtung, Akzente bilden Strukturen und Orientierungslicht beschreibt die Nutzbarkeit. Der Lichtplaner muss effizient auf jede Situation eingehen, denn was in einem Fall als Grundbeleuchtung wirkt, dient im anderen Fall als Akzentuierung.

Gestalterische Einteilung in drei Kategorien:

  • Grundbeleuchtung dient der Gleichmäßigkeit und Benutzbarkeit, sozusagen das Licht zum Sehen (Wege, Straßen oder Stellplätze, ...).
  • Akzentbeleuchtung setzt Schwerpunkte und strukturiert durch Beleuchtung mit hoher Lichtdichte, also das Licht zum Hinsehen.
  • Leuchtendes Licht geht von Lichtobjekten aus, deren Reihung oder Ansammlung entweder zur künstlerischen Gestaltung oder zur Strukturierung gehören.

Die Nacht benötigt relativ geringe Lichtmengen. Der Vollmond von zwei bis fünf Lux kann je nach Situation ausreichend hell, romantisch oder geheimnisvoll sein. Entscheidend für die Wirkung einer Lichtmenge sind die Reflexionswerte und die Dichte des Pflanzenbestands. So empfindet man z. B. einen Olivenhain und einen Tannenwald mit der gleichen Beleuchtungs-stärke völlig unterschiedlich. In der Lichtgestaltung gibt es kein Patentrezept.

beleuchtung 2 300Lichtgestaltung im naturnahen Garten Ein naturnaher Garten macht die wilde Pflanze sichtbar und nutzbar, er will die Ganzheit der Natur darstellen. Krautschicht, Strauchschicht und aufgehende Bäume bilden eine natürliche Symbiose.
Die Lichtgestaltung sollte horizontal flächig, mit sanfter Beleuchtung der Bodenschicht und akzentuiert beleuchteter Bäume ausstrahlen. Eine gut überlegte Kombination von Grund- und Akzentbeleuchtung ist in diesem Fall anzuraten.

Beleuchtung des architektonischen Gartens Die Verstärkung und Unterstützung der strengen Konturen durch Licht ergeben eine eindrucksvolle Szenerie. Eigenständige Lichtlinien sollten die lineare Anordnung von Materialien nachzeichnen. Entscheidend ist die Ausgewogenheit von Punkt, Linie und Fläche sowie von vertikalen und horizontalen Beleuchtungsflächen. Hier kann man mit weniger Lichtstärke zur dezenten Grundbeleuchtung durch leuchtendes Licht (Punkt und Linie) auskommen.
 
Pflanzenbeleuchtung
Pflanzen können durchaus mit LED-Lampen beleuchtet werden, allerdings werden Sie mit der Lichtfarbe nicht zufrieden sein. Pflanzen benötigen Licht eines bestimmten Wellenlängenbereichs (Rot und Blau). Die warm- oder kaltweißen Haushalts-LED-Lampen können dieses nicht ausreichend liefern. Farbwechselndes Licht, ähnlich einer Lichttherpie bei Menschen, kann auch hier einen gewissen Vorteil bringen.
 
Auswirkungen von Dauerbeleuchtung auf Pflanzen
Inwieweit unsere gesamte Flora auf permanente Eingriffe der Tagesverlängerung in den einzelnen Breitgraden reagiert, wurde noch nicht wirklich erforscht. Bei den Zierpflanzengärtnern wissen wir, dass durch Veränderung der Tageslichtlänge z. B. ein termingerechtes Blühen erzielt werden kann. Es ist anzunehmen, dass Beleuchtung bis zu 3.000 Kelvin noch keinen Schaden anrichtet. Bedenken sollte man schon, ob nicht helle, also sonnenähnliche Lichtstärken von 4.000 Kelvin und mehr, einseitig auf Pflanzen auftreffend, deren Photosynthese stören.
Eine ganzjährige Beleuchtung von maximal 12 bis 16 Stunden pro Tag unter Einbeziehung der Sonnenstunden sollte keinen Schaden anrichten. Die Wintermonate auf gesamt 14 Stunden zu erhellen, wäre somit mehr als ausreichend, das heißt eine automatisch gesteuerte Lichtanlage mittels Dämmerungsschalter sollte dann in Österreich auf eine maximale Leuchtdauer von sechs Stunden eingestellt werden. Im Sommer ist eine Reduzierung auf maximal zwei Stunden dringend anzuraten. Wobei Lichtquellen mit großer Streuung vorranging einzusetzen sind.

Von der Planung zur Beleuchtung Lichttechnische Pläne und Berechnungen können zum Beispiel mit Landschaftssoftware von DataFlor oder Vektorworks in der gestalterischen Planung gleich berücksichtigt werden. Maßstabsgetreue Unterlagen vereinfachen die Koordination durchzuführender Montagearbeiten der einzelnen Gewerke sowie mögliche Erweiterungs- oder Revisionsarbeiten des Beleuchtungssystems durch projektfremde Unternehmen.
Wichtiger Faktor, um immer die gleiche Lichtstärke zu den einzelnen Leuchten zu erlangen, ist, den Leistungsabfall der Kabelzuleitung unter Inbetrachtnahme des Querschnitts zu berechnen. Hier gilt: Der Hersteller gibt den Kabelquerschnitt und die Lauflänge, sowie die Watt der damit zu betreibenden Leuchtmittel vor (theoretischer Leistungsabfall: 1 Watt pro Meter bei einem Querschnitt von 0,75 mm²).
 
Beleuchtungssysteme
Es gilt für alle 230-V-Zuleitungen und -Schaltungen den konzessionierten Elektriker hinzuzuziehen. Eine Niedervoltanlage, also alle 12-V-Systeme mit LED- oder Halogen-Leuchtmittel, dürfen vom Garten- und Landschaftsgärtner installiert werden.
 
Beispiele:

  • Das 12-Volt-„Lightpro“-System ist schnell und einfach zu installieren. Mit einem speziellen Verbinder lassen sich die Lampen im Handumdrehen am Kabel anschließen. Abzweigungen können sehr einfach mit einem weiblichen Verbindungselement hinzugefügt werden. Die Produktpalette beinhaltet ein Zuleitungskabel, das vor Ort maßgenau in Länge und auch Abgängen zur Lichtquelle verlegt werden kann. Somit kann der „Lightpro“-Transformator mit Dimmer-Sensor und Zeitschaltuhr ohne Probleme außerhalb des zu beleuchtenden Bereichs montiert und mittels Netzstecker leicht über eine Steckdose mit dem Stromnetz versorgt werden.
    Das Sortiment ist umfangreich und bietet von Bodeneinbaustrahler, Steh- und Wandleuchten, Spots für den Unterwasserbereich und Sphärenbeleuchtung alles zur Inszenierung einer stimmigen
    Gartenbeleuchtung. Nähere Produktinfos: www.techmar.nl/de
  • Das System „In-lite“ (www.in-lite.de) funktioniert genauso, bietet ähnliche Leuchten an, vertreibt aber nur die Unterwasserlinie „SUB“. Diese ist allerdings mit Gewichten für einfache, problemlose und gute Standfestigkeit in der Uferzone ausgestattet.
  • Hersteller von qualitativ hochwertigen Edelstahl-Leuchten sind z. B. die Firmen Seliger (www.
    seliger-gmbh.de) oder Staub (www.staub-designlight.ch) sowie DotSpot (www.dot-spot.de) mit teilweise unterschiedlichen Verbindungselementen.

Accessoire-Lichtkombinationen
Beleuchtete Pflanzbehälter, Kugeln, Tischleuchten, Flaschenkühler oder Schwimmleuchten werden etwa von designcircle angeboten (www.designcircle.at). Sie bedürfen oft keiner aufwendigen Kabelverlegung, da sie autonom mittels Solartechnik oder Batterie betrieben werden können. Lichtelemente mit Musik bietet zum Beispiel smooz create atmosphere an (www.smoozlights.com oder www.aft.co.at).

Text Brigitte Dunkl | Fotos Thinkstock

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