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Gehölzverwendung: Trends und Anforderungen, Teil 2

Bei der Verwendung von Gehölzen gilt es viele Faktoren zu beachten. Nur die richtige Pflanzplanung und Sortenwahl führen zum Erfolg. Wir haben die aktuellen Erkenntnisse aus dem Vortrag von Prof. Dr. Ing. Swantje Duthweiler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (D) im Rahmen der Wintertagung 2017 zusammengefasst. Zweiter und letzter Teil unserer Serie.

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Zum guten Gedeihen von Gehölzen zählt als nicht unerheblicher Faktor der Pflanzenstandort im Bezug auf Stress und Störung. Durchgeführte Testreihen zeigen auf, dass nicht alle Bäume überall verwendbar sind. (Anm. d. Red.: Im GaLaBau Journal 2/2015 erschien ein Artikel über „Stadtbäume im Test“ zum Projekt Stadtgrün 2021)

Rasch sichtbare Trockenstressreaktionen
Die Gehölze schützen sich selbst durch die Schließung der Spaltöffnungen des Laubes, somit kann die Verdunstung rasch reduziert werden. Gut zu beobachten: Abgesenktes Wasserpotential verursacht Welkebeginn oder eingerollte Blätter wie „Schiffchenbildung bei Fagus sylvatica“, Blattstellung parallel zur Sonneneinstahlung wie bei Robinia, Populus tremula sorgt mit Blattwedeln für Kühlung, Tauwasser wird über Nadeln oder Dornen aufgenommen. Chemische Rektionen kann man an einem erhöhten Aminosäuregehalt durch Hormonausschüttung messen. Gezielte kräftige Wässerung kann kurzfristige Besserung bringen.

Weit schlimmer sind Anzeichen wie Abwerfen von Trieben um die Verdunstungsfläche zu reduzieren (z. B. Salix, Popolus, Tilia, Aeculus) oder ein dünner werden von Zweigen, wobei der Stamm aus Wasserspeicher genutzt wird. Gehölze mit Langtriebigkeit stellen auf Kurztriebe um, ebenso kann eine Kleinblättrigkeit beobachtet werden. Holzembolien können reversibel sein, jedoch nicht bei Kernholzarten wie Fraxinus, Ulmus oder Quercus. Irreversibel ist das sogenannte Eidechsenprinzip, hier werden Kronenteile aufgegeben.

Trockenstresstolerante Gehölze haben einen genetisch anderen Aufbau und sind erkennbar an gefiederten, tief gelappten oder dick ledrigen Blättern sowie an einer glänzenden Blattoberfläche oder behaarten Blattunterseite. Kleinere oder nadelige Blätter oder Dornen statt Nebenblätter weisen auf Trockheitsverträglichkeit hin. Auch laublose grüne Triebe haben eine erhöhte Photosynthese, weiters sind fühlbar weit herausgetretene Blattadern oder Korkbildung ein Zeichen für eine gewisse Trockenheitsresistenz. Gehölze mit einem tiefen- oder zweischichtigen Wurzelsystem trotzen besser widrigen Bedingungen. Ein klonales Wachstum, d. h. Ausbildung von Wurzelbrut, sowie ein ausgeprägtes Regenerationsvermögen und eine große Frosthärte bieten gute Voraussetzungen diese Pflanzen zu verwenden.

Gehölze und Ihre Schädlinge - Pilzinfektionen oder tierische Schädlinge
ThinkstockPhotos 487404188Wenn da nicht noch Pilzinfektionen oder tierische Schädlinge zur Reduzierung der Arten- und Sortenauswahl in Betracht gezogen werden müssten, wäre einer Auspflanzung von diversen Gehölzen nichts entgegen zusetzen.

  • Eschentriebsterben:

Pilzsporen werden mit dem Wind verfrachtet und gelangen über die Spaltöffnungen in die Blätter. Der Pilz wächst nun vom Laub ausgehend über die Blattstängel ins unverholzte Mark. Wenn dieses besiedelt wurde und sich der Pilz im Trieb in Längsrichtung ausgebreitet hat, wächst dieser in die verholzten Bereiche und lässt nach außen hin sichtbare Wunden im Stamm entstehen. Wichtigste Bekämpfung ist das Entfernen und fachgerechte Entsorgen der Blätter nach dem Laubfall. Denn auf diesen am Boden liegenden Laub bilden sich Fruchtkörper, welche gut überwintern können und mit Windböen weiter getragen werden.
Im Test der Direktinfektion hat man Sorten die keinen Befall aufweisen selektiert, wie Fraxinus americana, F. pennsylvanica, F. bungeana, F. ornus, F. siboldiana und F. texensis. All jene können bedenkenlos vermehrt und gepflanzt werden.

  • Massaria  bei Platanen:

Das häufigste Symptom ist eine Braunfärbung des befallenen Astes, der gleichzeitig in der gesamten Länge abstirbt. Aus anderen Gründen abgestorbene Platanenäste verblassen normalerweise nur. Bei befallenen Ästen verfärbt sich im Anfangsstadium die Rinde rötlich-violett, auf der Oberseite des Astes streifenartig, bei längerer Befalldauer kommt es auf der Oberseite, nahe dem Astansatz, zu einem streifenförmigen Absterben der Rinde. Oft befindet sich auf der Rinde ein schwarzer Belag, der durch die Sporen des Pilzes gebildet wird. Diese sehr rasche Holzzersetzung in deren Folge es zu Bruchästen kommt, sollte vierteljährlich kontrolliert werden. Befallene Äste, insbesondere Grob- und Starkäste, sind gegebenenfalls zu entfernen.

  • Kastanien Miniermotte:

Ab Juni findet man unter der Haut der Blattoberseite von weiß blühenden Rosskastanien Miniergänge, in denen drei bis vier Millimeter große Raupen fressen. Bei starkem oder jahrelangem Befall kommt es zum Verlust von Assimilationsfläche sowie zum vorzeitigen Laubfall. In Kombination mit Pilzkrankheiten kann der Baum absterben. Wichtig abgefallenes Laub immer entfernen und vernichten, denn die Puppen überwintern darin. Eine Pflanzung der roten Rosskastanie (Aesculus x carnea) ist empfehlenswert. Schlupfwespen werden hierbei als Nützling eingesetzt, denn sie parasitieren die Raupen.

  • Phytophtora:

Massaria Platane bigEine Pilz-Gattung, die in der Agrarwirtschaft vermehrt auftreten kann. Tragisch für Fagus sylvatica und Alnus (Erlensterben). Alle Pilze der Gattung Phytophthora sind fakultative Parasiten, die gelegentlich parasitieren aber in ihrer Entwicklung nicht auf eine Wirtspflanze angewiesen sind. Sie sind grundsätzlich freilebend und werden daher auch als „Gelegenheitsparasiten“ bezeichnet. Alle Phytophthora-Arten können als aggressiv beschrieben werden, da die Pflanzen eine Infektion in der Regel nicht überleben. Bei einigen Phytophtora-Arten können ggf. Fungizide oder Desinfektionsmittel an der Ausbreitung regulierend wirken. Andere Arten, vor allem Hybriden, sind auf Grund ihrer Lebensweise gar nicht bekämpfbar.

  • Pseudosomas syringae:

Ein Bakterium, das Verursacher verschiedene Pflanzenkrankheiten, wie Baumkrebs, Welke oder Flecken ist. Unterschiedliche Bakterienstämme, sogenannte Pathovare, befallen hierbei unterschiedliche Pflanzenarten, darunter einige wichtige Nutzpflanzen. Ursprünglich waren 48 Pathovars bekannt. Nach genetischen Analysen wurden viele davon jedoch anderen Pseudomonas-Arten zugeordnet. Viele Pathovare von Pseudomonas syringae sind bekannt und werden in ihren Unterscheidungen den Wirtspflanzen zugeordnet – z. B. Pseudosomas syringae pv. Aesculi befällt die Rosskastanie.

  • Eichenprozessionsspinner (Phalera bucephala):

Der Falter wurde wahrscheinlich durch Ferntransporte eingeschleppt. Die Raupen tragen winzige Brennhaare, die ein giftiges Eiweiß enthalten, sehr leicht abbrechen und auch in den Gespinstnestern zurück bleiben. Kommen Menschen oder Tiere mit diesen Haaren in Kontakt, kann es zu schweren allergischen Reaktionen auf der Haut kommen. Vorsicht: auch Asthmaanfälle sind bekannt, da die Härchen oft durch Windböen vertragen werden. Eine regelmäßige Kontrolle der Bäume ist sehr wichtig, bei Befall ist ein Aufstellen von Warntafeln unerlässlich. Unter bestimmten Voraussetzungen ist ein Absaugen der Nester eine wirkungsvolle Maßnahme.

  • Buchsbaum-Schädlinge:

Nicht nur der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) richtet große Schäden an den Beständen der vielen Hecken oder Solitär-Kugeln/Kegeln an, sondern auch der Buchsbaumkrebs ist im Vormarsch. Eine regelmäßige Kontrolle der Buchsbäume von März bis Oktober erlaubt eine frühzeitige Befallserkennung der zu Beginn des 21 Jahrhunderts eingeschleppten Motte. Eine Bekämpfung mit Spritzmitteln sollte möglichst direkt und mit ausreichendem Druck erfolgen.

Ein Pilz namens Cylindrocladium buxicola ist für den Buchsbaumkrebs verantwortlich, er dringt über die Blätter in die Pflanze ein und tötet sie mit der Zeit komplett ab. Es gibt aber inzwischen Möglichkeiten, den Befall einzudämmen. Der Buchsbaumpilz beginnt bereits ab Temperaturen um fünf Grad bei genügend Feuchtigkeit zu wachsen. Ab etwa 33 Grad hingegen sterben die Zellen ab. Zunächst entstehen auf den Blättern dunkelbraune Flecken, die schnell größer werden und zusammenfließen. Auf den Blattunterseiten bilden sich gleichzeitig zahlreiche kleine weiße Sporenlager. Diese sind neben den schwarzen Längsstreifen an den Trieben das sicherste Erkennungsmerkmal der Krankheit. Wichtige Vorsorgemaßnahmen sind: ein sonniger, luftiger Standort und eine ausgewogene Nährstoff- und Wasserversorgung, wobei die Pflanzen nicht kopfüber gegossen werden sollen. Als widerstandsfähig gelten die meisten stärker wachsenden Buchsbaum-Sorten wie Buxus sempervirens 'Arborescens' und 'Elegantissima', sowie schwach wachsende Sorten des aus Asien stammenden Kleinblättrigen Buchsbaums (Buxus microphylla) wie 'Herrenhausen' und 'Faulkner'. Alle suffruticosa Arten weisen hohen Anfallsgrad auf, hier ist ggf. die Verwendung der Japanischen Stechpalme (Ilex crenata i.S.), der Immergrünen Heckenkirsche (Lonicera nitida `Maigrün´) oder des gut schnittverträglichenRhododendron micranthum `Buxbloom´ zielführend.

  • Asiatischer Laubholzbockkäfer (ALB):

Im europäischen Raum befällt er alle Laubbäume und damit auch viele wirtschaftlich genutzte Bestände, wie etwa Obstbäume. Wegen seines unspezifischen Fraßes wird der Käfer in vielen Gebieten zu einem Problem für das Ökosystem, er wird in der Global Invasive Species Databasa zu den hundert schädlichsten invasiven Neobioten weltweit gezählt. Die einzig wirksame Bekämpfung ist das Fällen von befallenen Bäumen, wobei es ganz wichtig ist, jene an Ort und Stelle zu verbrennen. An Transportpaletten und Verpackungen aus Fernfrachten werden diese Käfer mit ausgebildeten Hunden aufgespürt, um kontaminiertes Holz erst gar nicht in Umlauf zu bringen.
- Citrusbockkäfer (CLB):  Er wurde aus Asien eingeschleppt, er ist genauso schädlich wie ALB und eine Ausrottung ist nicht in Sicht. Gute Züchtungen aus heimischen Beständen unter Einhaltung der Klimazonen, einer guten Bodenvorbereitung sowie angemessener Wasser- und Nähstoffversorgung gilt als beste Prophylaxe eines guten Gedeihens von Gehölzen mit verminderten Krankheits- und Schädlingsbefall.

Text: Prof. Dr. Ing. Swantje Duthweiler

Weiterführende Informationen
Suche nach Gehölzen und ihren Eigenschaften (zum Teil mit Erfahrungsbeschreibungen aus diversen Versuchsreihen):
www.lfl-bayern.de
www.galk.de (Straßenbaumliste)
www.ebben.nl
Gehölzartenliste EAB-Bayern (autochthone Gehölze)

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