Garten- & Landschaftsbau-Verband

Scharfer Schnitt

Scheren 1 Bypassschere FREI smalJeder neue Lehrling im Garten- und Landschaftsbau erhält zu Beginn seiner Ausbildung eine Schere. Diese wird auch nach 20 Jahren jedem Interessierten stolz präsentiert. Spätestens hier zeigt sich dann, wie gründlich die Scherenpflege gewesen ist, aber auch wie gut die Scherenqualität ist. Expertin Monika Mannsberger weiß, worauf beim Kauf und der Pflege der Schere zu achten ist.

Manch einer wechselt im Lauf der Jahre zur Entlastung der Schneidhand zu einer Rollgriffschere. Für andere sind Rollgriffscheren nicht geeignet, und die Suche nach der optimalen Schere geht weiter. Jeder Gärtner wird irgendwann in seiner Laufbahn mit der Frage konfrontiert: Bypass- oder Amboss-Schere? Ist nun die Auswahl der Scherenart eine Glaubensfrage? Oder hat jedes Prinzip seine spezielle Aufgabe? 

Bypass- und Amboss-Scheren
Bypass-Scheren erzielen durch ihre aneinander vorbeigleitenden Klingen einen sauberen und schonenden Schnitt. Dieser ist als drückend zu bezeichnen. Die baulich bedingte Position des Drehgelenks lässt bei einer Bypass-Schere eine mittlere Schnittlinie zu. Bei den Bypass-Scheren entsteht eine zwar geringe, aber doch vorhandene Reibung zwischen Klinge und Gegenklinge. Sie wird bei einem Schnittvorgang durch das Andrücken der Klinge an die Gegenklinge wegen des einseitigen Schliffs der Klinge verstärkt.

Die Bypass-Schere eignet sich besonders gut für faserige oder empfindliche Gehölze. Bei Schnitten in der Wachstumsphase von April bis September sind die Verletzungen minimal. Aufgrund der spitzeren Ausgestaltung ist die Bypass-Schere für feinere Arbeiten und Gehölze, deren Schnitt eine geringere Schneidkraft benötigt, geeignet. Ihre Bauform ermöglicht ein Abschneiden der Triebe bündig an der Austriebstelle bzw. einen sauberen Schnitt am Astring.

Die Amboss-Schere dagegen bedient sich einer anderen Technik. Diese Scheren verfügen über eine dünne, geschliffene Klinge, die in einem ziehenden Schnitt auf einen flachen Amboss trifft. Erreicht wird diese Zugbewegung der Klinge gegenüber dem Amboss durch eine außermittige Lagerung des Drehgelenks. Der Kraftaufwand beim Schnitt reduziert sich. Amboss-Scheren können für ein breites Spektrum von Anwendungen genutzt werden. Sie ermöglichen den Einsatz an altem, trockenem oder hartem Holz sowie bei größeren Astdurchmessern, z. B. beim Obstbaumschnitt. In der Ruhephase der Gehölze, die gleichzeitig die Rückschnittphase der meisten Pflanzen ist (Oktober bis März), sind die Verletzungen bei Schnitt mit einer Amboss-Schere sehr gering.

Scheren 2 Ambossschere smal

Ein weiterer, markanter Vorteil bei dem Amboss-Schneidprinzip ist die Schonung der Handmotorik des Gärtners. Der für die Bypass-Scheren typische Schnittschlag wird vermieden. Beeinträchtigungen wie das Karpaltunnelsyndrom oder der „Tennisarm“ werden minimiert bzw. ganz vermieden. Bei galabauoptimierten Modellen wird der Anwender in der Handhabung der Schere unterstützt: Bei einer etwas kürzeren Klinge findet der Schnitt automatisch dichter am Drehpunkt der Scheren statt. Aus den günstigeren Hebelverhältnissen in Verbindung mit einer dünn geschliffenen Klinge ergibt sich ein noch leichterer Schnitt. Rindenverletzungen werden durch dieses System nahezu ausgeschlossen.

Aus dem hohen Norden in die weite Welt
Die Amboss-Technik wurde 1923 von dem „Original Löwe“-Firmengründer Walther Schröder in Kiel, Deutschland, erfunden und patentiert. Um die Amboss-Technik zu perfektionieren, betreibt Original Löwe eine stetige Weiterentwicklung der klassischen Amboss-Schere: Inzwischen werden Amboss-Scheren auch mit gebogener Schneide, spitz zulaufend und somit in der Geometrie einer Bypass-Schere angeboten. Neue Modelle verbinden die Vorteile beider Techniken. Diese neue Formgebung bewirkt bei zusätzlich spitzerer Gestaltung des Schneidkopfs für optimale Zugänglichkeit in engen Verästelungen, dass die Triebe nicht herausrutschen können und der Ast noch bessere Unterstützung erfährt. Ein dichtes Schneiden am Stamm ist mit der weiterentwickelten Amboss-Schere möglich und kommt dem Anspruch der Bypass-Schere sehr nahe.

Scheren 3 Schleifstein smalKlingen schärfen
Da hilft nichts: Selbst die beste Klinge ist zum Arbeiten da, und irgendwann ist ie dann zu stumpf dafür. Zum groben Abziehen – dem schnellen Erreichen einer gewissen Schärfe – lassen sich Hartmetall-Schärfgeräte einsetzen. Geht es um den präzisen Schliff hochwertiger Klingen, wie z. B. von Tina-Veredlungsmessern, sind Fingerspitzengefühl, Erfahrung und ein hochwertiger Stein gefragt.

Schleifanleitung: Zuerst reibt man zwei Abziehsteine unter Zugabe von ein paar Tropfen Wasser aneinander. Durch das Herauslösen feinster Granatpartikel aus dem Belgischen Brocken entsteht der sogenannte „Schleifschleim“. Dieser, und nicht der Stein selbst, trägt das Material an der Klinge ab.

  • Einseitig geschliffene Klingen: Mit der Rückseite flach auf den Abziehstein legen und mit kreisenden Bewegungen schleifen. Dann umdrehen und mit der Vorderseite flach auf den Stein legen. Jetzt den Klingenrücken um ca. fünf Grad anheben und ebenfalls mit kreisenden Bewegungen schleifen, bis an der Schneide ein Grat entsteht (halblose Partikel hängen an der Schneide). Dieser Grat wird jetzt beidseitig mit geraden Strichen von der Klinge weggezogen. Hier nicht mehr kreisen! Die Klinge ist nun haarscharf.
  • Beidseitig geschliffene Klingen: Im Prinzip wie oben, nur dass hier beide Seiten um fünf Grad angehoben werden. Nach dem Abziehen den nun verbrauchten Schleifschleim unter fließendem Wasser abspülen.

Text Monika Mannsberger | Fotos Hermann Meyer KG, Thinkstock

 

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