Garten- & Landschaftsbau-Verband

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„ZiB“-Wetter-Präsentator Marcus Wadsak ist nicht nur einer der Meteorologen,
die dem TV-Publikum die Prognosen näherbringen,
sondern außerdem Leiter der gesamten ORF-Wetter-Redaktion.

Marcus Wadsak im Interview // Aus dem Fernsehen ist Marcus Wadsak jedem als ZiB-Wetter-Präsentator bekannt. Wir haben den studierten Meteorologen und Leiter der ORF-TV-Wetter-Redaktion zum Interview gebeten, um die Zusammenhänge von Wasserflächen und Klima zu erfragen. Seine Einschätzung zum Klimawandel ist außerdem ein ernstzunehmender Hinweis für den Garten- und Landschaftsbau. Interview Veronika Schubert Foto ORF

Herr Wadsak, beginnen wir im Großen. Welchen Einfluss haben die Weltmeere auf das Klima?
Marcus Wadsak: Das Klima ist in Gewässernähe generell milder als in größerer Entfernung von Gewässern. Im Frühling und Sommer erwärmt sich Wasser allmählich und im Herbst und Winter kühlt es verzögerter als das Festland ab. Das sogenannte Seeklima zeichnet sich durch relativ milde Winter und kühle Sommer aus. Irland, Großbritannien und Frankreich haben zum Beispiel ein ausgeprägtes Seeklima. Mit der Entfernung vom Ozean, nach Osten hin, nimmt der atlantische Einfluss ab, das Klima wird kontinentaler.

Wie lässt sich diese Tatsache physikalisch erklären?
Von allen in der Natur vorkommenden Stoffen hat Wasser die größte spezifische Wärmekapazität, sie beträgt 4,19 Kilojoule. Wenn sich ein Kilogramm Wasser um ein Grad abkühlt, so wird Wärme von 4,19 Kilojoule an die Umgebung abgegeben. Und umgekehrt: Wenn sich ein Kilogramm Wasser um ein Grad erwärmen soll, muss ihm eine Wärme von 4,19 Kilojoule zugeführt werden. Diese Gesetzmäßigkeit ist die Ursache dafür, dass große Wassermassen wie Ozean, Meere und auch Binnenseen erheblichen Einfluss auf das Klima nehmen können. Im Sommer wird die Wärme gespeichert, in der kalten Jahreszeit wird sie wieder an die Umgebung abgegeben. Dabei können die Meere Temperaturschwankungen bremsen, weil das Wasser träger ist als Luft.

Was bedeutet es also, an einem See zu leben?
Die Hitze des Sommers wird gemildert, da das Wasser die Umgebung kühlt, und umgekehrt wird auf die Kälte des Winters Einfluss genommen. Es bleibt in Ufernähe deutlich wärmer. Am Wasser zu leben, bedeutet für mich aber noch viel mehr, als nur ein angenehmeres Klima. Wasser hat einen hohen psychologischen Wohlfühlfaktor, denken Sie daran, wie beruhigend es ist, auf eine Wasserfläche zu blicken.

Kann nun Wasser im Garten genauso Heiz- und Kühlquelle sein?
Ja, auch bei kleineren Wasserflächen gilt: Wasser erwärmt sich sehr langsam, gibt dafür aber auch länger Wärme ab. Sein Speichervermögen ist etwa zweieinhalb Mal größer als dasjenige von Gesteinen. 1.000 Liter Wasser mit einer Temperatur von zehn Grad Celsius können rund 3.000 Kubikmeter umliegende Luft von minus fünf Grad Celsius auf plus fünf Grad Celsius erwärmen. Teiche, Bachläufe oder Wassergräben und auch Regenwasserspeicher vermögen sogar angrenzende Pflanzen bei Frostwetterlagen zu schützen. Kleinere Wasserflächen, wie Becken und Kaskaden, erfüllen ebenfalls eine klimatische Ausgleichsfunktion.

Gibt es eine Mindest-Wasserfläche, um Kulturen zu schützen?
Künstliche Schutzteiche, hier denkt man aber schon eher an Gemüse- und Obstanbau, sollten mindestens zehn Prozent der zu schützenden Fläche bedecken und mindestens ein Meter tief sein. Hat man aber ohnehin einen Teich im Garten eingeplant, der zehn Prozent der gesamten Gartenfläche einnimmt, so ist das einfach ein zusätzliches Argument für den Teich. Bei sehr tiefen winterlichen Temperaturen wird diese Schutzwirkung trotzdem zu gering sein.

Spielt auch die Luftfeuchtigkeit in der Umgebung von Wasser eine ausgleichende Rolle?
Wasser im Garten verdunstet und kann durch die Abkühlung in der Nacht kondensieren. Das ist in heißen Sommern ein großer Vorteil. Vor allem, weil so die Pflanzen mit der so nötigen Feuchtigkeit versorgt werden. Die Sommer werden ohnehin immer heißer, sie konfrontierten uns in den vergangenen Jahren mit ungewöhnlich langen Hitzewellen. 2018 lag das Sommerhalbjahr um 3,6 Grad Celsius über dem Mittel. Das ist in 250 Jahren Messgeschichte nicht vorgekommen! Seit dem Jahr 2000 gab es keinen Sommer mehr mit unterdurchschnittlichen Temperaturen, das hängt definitiv mit der globalen Erwärmung zusammen.

Es werden immer wieder Gegenstimmen laut, wenn es um die globale Erwärmung geht. Die ältere Generation meint, es hätte früher auch schon heiße Sommer gegeben?
Nein, das war früher nicht so! Es gab keinen April, in dem wir 30 Grad Celsius gemessen haben. Diese Temperaturwerte sind neue Erscheinungen. Während wir bei den Niederschlägen noch weiter beobachten müssen, ist der Anstieg der Temperaturen eindeutig. Österreich trifft die Erwärmung stärker als zum Beispiel die Mittelmeerländer. Denn alle dem Wasser nahe gelegenen Länder profitieren, während jene, die mitten in einer Landfläche liegen wie unser Land, diesem Wetterphänomen sofort ausgesetzt sind. Auch eindeutig zu beobachten ist die Zunahme der Extremereignisse.

Können die Ozeane mit ihrer positiven Wirkung auf das Klima die Erderwärmung aufhalten?
Nein, aufhalten nicht. Aber verzögern schon. Nur das wiederum ist ein zweischneidiges Schwert. Der Kohlendioxid-Ausstoß ist ja bekanntlich schuld am Treibhauseffekt. Das Meer kann gigantische Mengen Kohlendioxid einlagern. Aber irgendwann kommt es auch an die Oberfläche. Davor wandelt es sich zudem zum Teil in Kohlensäure um und bewirkt, dass der pH-Wert sinkt. Für die Kalkschalen von Muscheln, Korallen und Schnecken bedeutet das: Sie werden dünner oder lösen sich ganz auf. Auch das Phytoplankton leidet unter der Versauerung der Ozeane. Daher sind die angestrebten 1,5 Grad Celsius Erwärmung schon grenzwertig, denn es bedeutet, dass wir damit zehn bis 30 Prozent der Korallen retten können. Sind es hingegen zwei Grad Celsius Erwärmung, können wir auch das nicht mehr! //

Zur Person:
Marcus Wadsak wurde 1970 in Wien geboren. Er schloss 1997 sein Meteorologie-Studium ab. Mit Beginn seiner Karriere im ORF eins durchlief der Meteorologe „so ziemlich alle Stationen, in denen eine Wetterpräsentation möglich war". So fungierte der begeisterte Outdoor-Sportler als Wetterfrosch bei Ö1, Ö2 und Ö3, ehe er bei „Willkommen Österreich“ für frischen Wind sorgte. Seit Mitte Juli 2004 präsentiert der Wettermann alternierend mit Christa Kummer das „ZiB“-Wetter im ORF. Seit Mai 2012 leitet er zudem die ORF-TV-Wetter-Redaktion. Marcus Wadsak ist Gründungsmitglied von Climat without Borders.

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