Garten- & Landschaftsbau-Verband

Wo viel Licht, da viel Schatten
Lichtverschmutzung oder Lichtsmog //

Das Thema ist für viele unbekannt und mag auf den ersten Blick als Luxusproblem oder als medial herbeigeführter Unsinn erscheinen. Doch wer kurz nachdenkt, dem fällt dazu bald Verschiedenes ein: Wieso ist der Sternenhimmel kaum mehr zu sehen? Welche Auswirkungen hat die künstlich erhellte Nacht auf das regionale Ökosystem? Und was hat Licht in der Nacht in unseren Grün- und Gartenanlagen verloren, wo es nicht zur Sicherheit dient? Man muss auf künstliches Licht als Dekoration oder Leitsystem aber nicht verzichten – so lange man ein paar einfache Regeln beachtet.

Lichtverschmutzung big

Lichtverschmutzung: Lichtverschmutzung (Aufhellung des Nachthimmels im Zenit) nach Falchi et al. in Europa, 2015. Diese Falschfarbendarstellung von Europa zeigt deutlich, dass die Lichtverschmutzung in den großen Ballungszentren stark ausgeprägt ist. Ein natürlich dunkler Himmel ist nur noch über den schwarzen Flächen vorhanden.

Natürliches Licht vom Mond, den Sternen und vom Feuer war lange Zeit die einzige Lichtquelle in der Nacht. Mit fortschreitender Industrialisierung aber wurde die Nacht immer mehr zum Tag. Waren es Anfang des 19. Jahrhunderts in den Städten die Gaslaternen, so wichen diese bald großflächig der elektrischen Straßenbeleuchtung, hinzu kamen bald leuchtende Werbereklamen, das Licht des zunehmenden Verkehrs und künstliche Beleuchtungsinstallationen zu allen denkbaren Zwecken. Kurz: die Beleuchtung der Nacht – ursprünglich Ausdruck des Sicherheitsbedürfnisses der Menschen – wich der exzessiven, oft gedanken- und nutzlosen künstlichen Erhellung der Nacht.

„Lichtverschmutzung“ ist heute mehr als nur ein Schlagwort. Die künstliche Aufhellung des Nachthimmels hat eine störende Auswirkung auf Mensch und Natur. Oft ist Lichtverschmutzung die Folge von ineffizienter Beleuchtung. Leuchten, die Licht nach oben oder seitlich abstrahlen, bewirken eine permanente Aufhellung des Nachthimmels. Schlecht abgeschirmte Leuchten können blenden und ablenken.

Die Nacht braucht ihre Dunkelheit
Die Auswirkungen von Lichtverschmutzung reichen von Artenverschiebung innerhalb von Lebensgemeinschaften bis zum Aussterben von isolierten Populationen, insbesondere von standorttreuen, spezialisierten und gefährdeten Arten. Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien, Fische, Pflanzen sowie die Struktur und Funktion von Ökosystemen können und werden durch künstliches Licht negativ beeinflusst. So verenden beispielsweise viele Zugvögel auf ihrer weiten Reise aufgrund gestörter Orientierung.

Drastische Konsequenzen für Natur und Umwelt
Dramatische Folgen für unser Ökosystem hätte auch ein weiter voranschreitendes Insektensterben. Neben der Industriellen Landwirtschaft und deren Pestiziden wird von Forschern dafür die starke Lichtverschmutzung verantwortlich gemacht. Insekten brauchen Dunkelheit und natürliches Licht, künstliches Licht stört ihre Orientierung und lockt Fressfeinde an. Insekten haben neben ihrer Funktion als Bestäuber von vielen Pflanzenarten einen fundamentalen Platz in der Nahrungskette der Tierwelt. Die mittlerweile gut erforschten Auswirkungen des Bienensterbens, wie Ernteeinbußen und Reduktion der Artenvielfalt, treffen ebenso, und da weiter unten in der Nahrungskette angesiedelt, noch drastischer auf Insekten zu.
Ein weiterer Effekt der Lichtverschmutzung ist das „Verschwinden“ des Sternenhimmels. Man mag diesen Verlust als wenig schmerzlich für den Menschen empfinden, auf Zugvögel wirkt er sich aber als sehr negativ aus. Die Milliarden von Vögeln, die alljährlich nachts von Europa nach Afrika und wieder zurückziehen, orientieren sich unter anderem anhand der Sterne. Vögel sind heute mit völlig neuen Lichtverhältnissen konfrontiert. Vor allem bei schlechter Sicht werden sie von Lichtquellen und von den Lichtglocken über großen Städten angezogen und von ihrem Weg abgelenkt. Das führt dazu, dass Zugvögel nachts auf beleuchtete Bürogebäude prallen oder diese sinnlos umkreisen und sterben. Betroffen sind über 450 Vogelarten.

Wie können wir entgegenwirken?
Als Faustregel könnte das Motto der Tiroler Umweltanwaltschaft „Helle Not“ gelten: „So wenig Kunstlicht wie möglich, so viel Beleuchtung wie notwendig!“ Um Millionen der nachtaktiven Insekten den sinnlosen Lichttod zu ersparen, gibt es verschiedene Ansätze. Hier nur einige Maßnahmen, die der einzelne Garten- oder Hausbesitzer leicht umsetzen kann: Vermeidung von unnötigen oder schlecht eingestellten Deko-Lichtquellen in Gärten bzw. die Reduktion der Leuchtzeiten in der Nacht, Verringerung von Eingangs- oder Pool-Beleuchtungszeiten. Sprich: Reduktion der Lichtverschmutzung durch gezielte Nachtabschaltung bzw. das Koppeln von gut eingestellten Bewegungsmeldern mit entsprechender Timer-Funktion. Die Einhaltung von ein paar einfachen Regeln hilft bereits, um den Anteil der unerwünschten Lichtemission am Gesamtlichtstrom aktiv zu reduzieren:

  • Auch wenn es ein noch so dekoratives Gestaltungselement ist, sollte man sich grundsätzlich bei jeder Beleuchtung im Außenraum fragen, ob diese tatsächlich notwendig ist.
  • Grundsätzlich von oben nach unten beleuchten. So vermeidet man, dass Licht in die Atmosphäre abstrahlt.
  • Darauf achten, dass die Lampen abgeschirmt sind. Optimal ist es, wenn die Lichtquelle nicht sichtbar ist.
  • Die richtige Beleuchtungsstärke wählen – nur so hell wie unbedingt nötig.
  • Die Beleuchtungsart sollte der Situation angepasst sein. Die wenigsten Leuchten müssen die ganze Nacht hindurch brennen. Die Beleuchtungsdauer sollte zeitlich sinnvoll begrenzt werden. //

Fazit
Der bewusste Umgang des Einzelnen mit künstlichem Licht sollte im Einklang von Mensch und Natur stattfinden. Dieses Engagement dient der Erhaltung der biologischen Vielfalt, der natürlichen Nachtlandschaft, dem Sternenhimmel und dem Sparen von Energie­ressourcen. Niemand muss in seinem Garten auf dekorative Beleuchtung verzichten, solange er die aufgeführten Faustregeln beherzigt.

Text: Maximilian Schuster, Foto: darksky.ch

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