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Die Auswirkungen von Hochwasser auf Gehölze

Wenn Hochwasser abläuft, beginnt das eigentliche Problem erst. Was Sturzfluten an Bäumen anrichten, zeigt sich oft erst Monate später – und die Schäden reichen tiefer, als das Auge sieht. Prof. Dr. habil. Hartmut Balder fasst den aktuellen Wissensstand zusammen und zeigt, was Kommunen, Sachverständige und GALABAU-Betriebe jetzt wissen müssen.

Hochwasser hat in der Vergangenheit schon immer Schäden an Gehölzen ausgelöst. In den letzten Jahren häufen sich in vielen Regionen die Hochwasserereignisse, was u.a. mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht wird. Veränderungen werden insbesondere in Form von Starkregen mit folgenschweren Sturzfluten und zeitlichen Verschiebungen in den Frühsommer hinein festgestellt (Copernicus Bericht, 2025). Die von der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft verwaltete Onlinedatenbank NATCATSERVICE registriert seit 1980 relevante Naturkatastrophen aus aller Welt. In der Statistik wird ersichtlich, dass sich die Anzahl von weltweiten Überflutungen seit 2015 im Vergleich zum Anfang der 80er Jahre verdreifacht hat. Die Versicherer stellen fest, dass die wetter- und witterungsbedingten Ereignisse, u.a. Starkregenereignisse und Überflutungen, kontinuierlich steigen und somit eine zunehmende Gefährdung darstellen. Hieraus resultiert für die Versicherungswirtschaft ein großer Schadensaufwand (GDV, 2024), wobei es sich hier vorrangig um Schäden an technischen Infrastrukturen, Fahrzeugen und Gebäuden handeln dürfte. Die kurz-, mittel- und langfristigen Schäden an Gehölzen werden hingegen kaum erfasst, u.a. in Produktionsbetrieben, im urbanen Umfeld oder in der freien Landschaft. Überschwemmungen zerstören jedes Jahr Werte in Milliardenhöhe, allein in den vergangenen fünf Jahren betrugen die Schäden durch Hochwasser weltweit rund 320 Mrd. US$, davon waren etwa 56 Mrd. US$ versichert. Die teuerste Hochwasserkatastrophe bislang ereignete sich im Juli 2021 in Mitteleuropa, als verheerende Sturzfluten in Westdeutschland mit Schwerpunkt im Ahrtal und in Nachbarländern Gesamtschäden von inflationsbereinigt 58 Mrd. US$ verursachten (Abb. 1). 

Stadt- und Landschaftsplanung, Katastrophenschutz, Wasserwirtschaft und die Baumpflege sind gefordert, um Baumschäden nach Hochwasserfluten zu erkennen, mit geeigneten Maßnahmen die Schäden zu begrenzen und durch weitsichtige Strategien künftig zu verhindern. Im Folgenden wird der Wissensstand speziell für Kommunen, Sachverständige und Baumpfleger dargestellt. 

 

Schäden nach Überflutung bei Gehölzen

Hochwasser sind natürliche Ereignisse, die regelmäßig auftreten und fester Bestandteil des Abflussgeschehens sind. Ihre Entstehung hängt von der Stärke der Niederschläge, den Eigenschaften des Einzugsgebietes, den Bodeneigenschaften von Teichen und vom Flusscharakter ab. Der Mensch kann Hochwasser, ihren Verlauf und die Auswirkungen beeinflussen und verstärken (UBA, 2011). Die Überflutungen von Gehölzbeständen lösen je nach Jahreszeit, Geländetopographie, Bodenbeschaffenheit und Dauer der erhöhten Wasserstände verschiedene Schadentwicklungen aus. Sie sind die Folge von Schmelzwassermengen, Niederschlagsereignissen, Sturmfluten oder technischen Defekten, u.a. Deich- und Rohrbrüchen. Sie wirken insbesondere bei Sturz- und Sturmfluten unmittelbar, meist aber als komplexe Abfolge über lange Zeit mit chronischen Symptomen und Revitalisierungseffekten. Aride Sturmfluten spülen Salze weit ins Inland hinein. Die Toleranz der Gehölze wird empirisch unterschiedlich beurteilt (Tab. 1), es fehlen jedoch wissenschaftliche Studien. Dies ist insbesondere für die Optimierung der Gehölzverwendung in der Schwammstadt von enormer Bedeutung (Balder u.a., 2025; Balder, 2026).  

 

Mechanische Schäden

Größere Schmelzwassermengen und Starkregen strömen als Sturzflut steile Berghänge und in enge Flusstäler hinab, so dass Bäche und Flüsse deutlich stärker ansteigen als vergleichbare Gewässer in offenem Gelände. Fließgeschwindigkeit und Zerstörungskraft sind damit auch deutlich höher. Im Flussbett werden die Uferränder je nach Befestigung abgetragen und die Wurzeln von Bäumen freigespült, durch Treibgut manuell abgeknickt und abgerissen (Abb. 2). Treibgut verstopft die Abflusswege und erhöht dadurch die Anstauhöhe der Sturzflut. Das Überflutungsereignis wird in der Folge in die Fläche getragen. Nach Abzug des oberirdischen Wassers sind die freigelegten Wurzeln der Witterung ausgesetzt und erleiden schnell Trockenschäden. Folgeschäden sind daher unausweichlich, wenn nicht Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Die Standsicherheit freigespülter Bäume ist akut gefährdet.

Die natürlichen Abdichtungen der Bodensegmente im Flussbett gehen dadurch verloren, so dass stoffliche Schmutzfrachten des Hochwassers das Grundwasser belasten, u.a. Diesel, Benzin, Öle, Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle, Farben. 

Durch schnell strömende Wassermassen werden neben der Bodenvegetation Sträucher und Jungbäume abgeknickt und mitunter sogar von der Strömung mitgerissen (Abb.3). Treibgut wie Fahrzeuge, Baumstämme, Metallelemente prallen mit großer Geschwindigkeit gegen Bestandsbäume in benachbarten Flächen. Hierbei werden die Rinde und das Kambium lediglich gequetscht, meist aber auf- und abgerissen (Abb. 4). Auch das Splintholz kann direkt geschädigt werden. Je nach Schädigung ist die Rinde über Jahre partiell vom Stamm gelöst, die Kallusentwicklung setzt ein, und holzzerstörende Pilze infizieren die Bäume über die offenen Wunden. Inwieweit baumpflegerische Maßnahmen zur Schadensbegrenzung effizient sind, ist Gegenstand der Forschung.

 

Physiologische Schadsymptome

Mit zeitlicher Verzögerung, häufig erst im Folgejahr, treten individuell physiologische Folgesymptome auf. Diese können sich mit der Zeit verstärken, abheilen oder auch gänzlich verschwinden. Hierzu zählen Kleinblättrigkeit (Abb. 5), chlorotische Laub- und Nadelfärbung, ein partielles Feinaststerben und Zopftrocknis (Balder u.a., 2016). Nach Abzug des Hochwassers ist die Schnelligkeit der Abtrocknung entscheidend, Jungbäume sind dabei empfindlicher als Altbäume. In der Fläche ist auffällig, dass bei Bäumen im Einzugsbereich von Altbäumen die Überlebensrate höher ist.

Derartige Phänomene werden nach Überflutungen auch in Baumschulquartieren, Obst- oder Weihnachtsbaumkulturen festgestellt. Dies betrifft sowohl Laub- wie Nadelgehölze. Sogar kurzfristiges Hochwasser (2 bis 4 Tage), wie während der Ahrtalflutwelle (2021), löste bei sensiblen Junggehölzen in einer Baumschule massive Ausfälle aus. 

Desweiteren treten am Stamm kurz zeitverzögert Schleimflussflecken auf, vorrangig bei Ahorn, Buche und Eiche (Abb. 6). Unter der Rinde treten gleichzeitig klein- bis großflächige Bast- und Kambiumnekrosen auf. Die Überwallungsreaktionen sind über lange Zeit erkennbar und belegen bei vitalen Bäumen ihre Abschottungsfähigkeit. In der Folge dürften auch phytopathogene Organismen wie Bakterien im Schleimfluss nachweisbar sein, ihre Rolle in den komplexen Schadensabläufen ist noch zu klären. Wie so oft sind aber Pathogene ein Teil der Gesamtschädigung und eher sekundärer Natur. Andere Baumarten, insbesondere Kirschen, bluten intensiv mit der Folge, dass die Bäume absterben (Abb. 7). Auch hier ist die schnelle Reaktion der Jungbäume im Baumschulquartier schon nach wenigen Wochen auffällig. Als weiteres Symptom sind Stammnekrosen auffällig. Sie entstehen in vielen Überflutungssituationen, auch in stehenden Ereignissen. Sie bewirken, dass nach dem Ereignis noch ein Blattaustrieb erfolgt, dieser aber schütter ausfällt und die betroffenen Bäume in der Folge meist absterben. Die Rinde reißt im Bereich der Nekrose zunächst im Folgejahr auf, um später zunehmend abzufallen. Ist noch eine Kallusbildung möglich, so sind häufig Leisten zu beobachten (Abb. 8). Die Bäume können noch lange Zeit überleben, ihre Laubausbildung ist meist sehr schwach. Nekrosen werden scheinbar u.a. durch die Empfindlichkeit der Rinde gegenüber Wasser hervorgerufen. Besonders auffällig ist jedoch, dass ein Zusammenhang mit der Sonnenstrahlung zu bestehen scheint. Auf der Abb. 9 sind Nekrosen bei Ahorn erkennbar, die beim Sommerhochwasser 2013 (Herrenkrugpark, Magdeburg) verstärkt auf der Südseite verursacht wurden, während auf der schattierten inneren Baumreihe diese weniger auftraten. Offensichtlich liegt dem ein „Verkochen“ der Rinde zu Grunde. Ein Absterben von Bäumen als stärkste physiologische Reaktion ist immer wieder bei den Baumgattungen Buche, Ahorn, Linde zu beobachten, bei den Nadelhölzern ist Eibe (s. Abb. 3) auffällig, wobei auch ein lokales Absterben der unteren Bereiche charakteristisch ist. 

 

Sekundäre Prozesse 

Schon nach kurzer Zeit schädigen sekundäre Prozesse die Gehölze zusätzlich. Schadpilze wie der Hallimasch (Armillaria mellea) (Abb. 10), der Spaltblättling (Schizophyllum commune) oder auch rindenbrütende Insekten treten in dieser Situation verstärkt auf. Bodenbürtige Wurzelpathogene wie der Riesenporling (Meripilus giganteus) nehmen an Aggressivität zu (Abb. 11). Als Folge einer Überflutung können sich offensichtlich die phytopathogenen Potentiale des Standortes aufschaukeln und die betroffenen Areale für lange Zeit erheblich beeinträchtigen. Die sog. Sukzessionsverläufe sind kaum untersucht und bedürfen unter dem Aspekt der Sommerüberflutungen dringend der wissenschaftlichen Aufarbeitung. Hinzu kommt, dass als Folge absterbender Wurzelsysteme die Standsicherheit vieler Bäume nachlässt und Windwürfe zunehmen.

 

Auswirkungen auf Gehölzstandorte

Mit den strömenden Wasserfluten werden mitunter größere Schlammmengen und Unrat in die Überflutungsgebiete gespült und abgelagert. Diese können je nach Situation von wenigen Zentimetern bis hin zu mehreren Metern reichen. Dadurch werden auch sensible Pflanzenteile mechanisch beschädigt, aber auch die Areale selbst erheblich beeinträchtigt. So werden u.a. Oberböden fortgeschwemmt, Wegebeläge zerstört, Pflasterbeläge und Bordsteinkanten unterspült. Junge Anlagen, die noch nicht gut durchwurzelt und gefestigt sind, können besonders starke Schäden erleiden. Bäume können unterspült und dadurch in ihrer Standsicherheit beeinträchtigt werden. Mit der Flut können aber auch Schadstoffe, Schaderreger oder Saatgut in Areale erstmals hineingelangen. Die stofflichen Einträge können Boden und Grundwasser belasten, aber auch phytotoxische Schäden an Pflanzen hervorrufen. Eingetragenes Saatgut oder lebende Pflanzenteile, z. B. invasive Pflanzen, können sich etablieren und die lokalen Vegetationsgesellschaften verändern. Bei den Schaderregern sind insbesondere bodenbürtige Erreger wie Nematoden, Phytophthora- und Fusarium-Pilze sowie Bakterien relevant. Sie können mit ihrem Auftreten die Gehölzbestände massiv bedrohen. Auch hierzu gibt es kaum Studien.  

 

Maßnahmen zur Schadensbegrenzung

Sachverstände und Baumpflegebetriebe haben ein breites Betätigungsfeld, in dem sie u.a. in der Anpassung an die lokalen Erfordernisse beraten und nach einer Flut die Baumbestände kontrollieren, um Maßnahmen zur Sanierung und Verkehrssicherheit empfehlen. Ziel muss sein, die Folgen akuter Hochwasserfluten zu reduzieren und künftig zu vermeiden. 

 

Vorbeugende Maßnahmen 

Zur Vermeidung von größeren Baumschäden können hochwassergefährdete Areale nur im großen Zusammenhang gesehen werden. Von daher hatte schon immer in der Siedlungspolitik der Kommunen und der Länder die Hochwasservorsorge die größte Bedeutung. Aktuell wird eine ausgewogene Kombination aus ökologisch ausgerichteten Maßnahmen zum Wasserrückhalt im Einzugsgebiet, technischen Schutzmaßnahmen, Reglementierung und Anpassung der Nutzung in überschwemmungsgefährdeten Gebieten diskutiert und durch individuelle Hochwasservorsorge die größte Wirkung gesehen, um auch die unmittelbaren Folgen der Klimaentwicklung abzuschwächen. 

Diese Maßnahmen sind auf vier Zielmarken ausgerichtet:

  • Niederschläge zurückhalten und versickern lassen,
  • Bodenverdichtung und -versiegelung begrenzen,
  • Natürliche Überschwemmungsgebiete von Bebauung freihalten oder zurückgewinnen,
  • Schadensrisiken vermeiden.

Für viele Flussgebiete sind z. B. in Deutschland bereits sog. „Hochwasserkarten“ erarbeitet worden, die zum einen die Hochwassergefahr für ein bestimmtes Gebiet, z. B. Ausdehnung der überschwemmten Fläche oder Strömungsgeschwindigkeit, darstellen, aber auch einen Eindruck von den zu erwartenden Schäden geben können. Derartige Planungsgrundlagen fehlen jedoch für lokalen Starkregen und nachfolgende Sturzwasserereignisse. Aus Sicht der Politik wird die integrierte Bewirtschaftung der Wasserressourcen zum Schlüsselelement der Wasserwirtschaft in Deutschland und Europa (BMU, 2016). 

 

Kurzfristige Maßnahmen zur Rettung der Gehölzbestände  

In einer konkreten Hochwassersituation kann nur schnell und individuell gehandelt werden. Wird ein Überflutungsereignis erwartet, können schnell installierte Sperrmaßnahmen (Sandsäcke etc.) noch das Eindringen der Wassermassen in sensible Gehölzareale möglicherweise verhindern (Abb. 12). Der rechtzeitige Abtransport von Gehölzen, z. B. Kübelpflanzen, in höher gelegene Areale kann diese vor der drohenden Vernässung oder manueller Schädigung schützen. Sind jedoch Pflanzenbestände überflutet worden, so müssen die Wurzeln vor anaeroben Bedingungen im Rahmen der Möglichkeiten schnellstmöglich geschützt werden, bevor sie absterben. Dies bedeutet kleinräumig und bei geringem Pegelstand:

  • Abtransport von Kübelpflanzen auf trockene Areale,
  • punktuelle Herausnahme von wertvollen transportierbaren Gehölzen, z. B. formierte Solitäre im 1. Standjahr mit technischem Gerät, sofern das Areal befahrbar ist,
  • Schaffen von Ablaufmöglichkeiten des Wassers, z. B. Durchbrüche schaffen in Dämmen oder Gräben ziehen,
  • Abpumpen des Wassers,
  • zeitverzögert Maßnahmen zur Belüftung sensibler Wurzelsysteme, u.a. seitliches Abgraben der Standorte zur Förderung von Wasserablauf und Abtrocknung. Läuft das Flutwasser wieder ab, so empfiehlt sich nach vorheriger Sperrung des gesamten Areals für die Öffentlichkeit die unmittelbare Sichtkontrolle der Gehölzbestände:
  • Ersterfassung von sichtbaren Schäden an den Gehölzen, u.a. Bruch, Stammschäden,
  • Überprüfen der Verkehrssicherheit von Bäumen auf ihre Stand- und Bruchsicherheit,
  • Kontrolle auf sichtbare Schadstoffeinträge auf der Bodenoberfläche, z. B. Öle, Gülle,
  • Einleiten von Sofortmaßnahmen zur Stabilisierung von Gehölzbeständen,
  • Einleiten von Maßnahmen zur Schlammentfernung zur Verhinderung weiterer Bodenverdichtungen und -verschlämmungen,
  • Bodenlockerungsmaßnahmen zur Belüftung und schnelleren Abtrocknung,
  • Entnahme von Bodenproben in gefährdeten Arealen, u.a. auf Schaderreger, Schadstoffe.

Bei kurzzeitigen Überflutungen lassen sich die Schäden an Gehölzen so deutlich reduzieren. Nach Umsetzung der genannten Maßnahmen sollten die Schäden insgesamt beziffert werden, um im Versicherungsfall oder bei Hilfsfonds Ansprüche geltend zu machen.

 

Verhindern von Langzeitschäden

In jedem Fall ist bei sensiblen Grünanlagen ein nachfolgendes mehrjähriges Monitoring zu empfehlen, um Langzeitschäden ebenso zu erkennen wie auch Regenerationseffekte. Liegt ein aktuelles Baumkataster vor, so können die Kronen- und Stammentwicklungen umfassend individuell verfolgt werden. Viele Symptome zeigen sich zeitverzögert erst im Folgejahr, meist als verzögerter Blattaustrieb, Blattverfärbungen; am Stamm zeigen sich als Folge der Wurzelschädigung vermehrt Stammaustriebe. Der Wurzelzustand muss durch punktuelle Aufgrabungen kontinuierlich analysiert werden. Besonderes Augenmerk muss dem Pflanzenschutz gewidmet werden. Das Auftreten von Schwächeparasiten kann mit geeigneten Fallen oder Fangbäumen überwacht werden, stets aber muss bei der verstärkten Baumkontrolle am Stamm auf Bohrlöcher, Pilzfruchtkörper, Schleimfluss und Absterbeerscheinungen an den Gehölzen geachtet werden. Da rechtlich gesehen „Gefahr im Verzuge“ gilt, kann der Stammanstrich von gefährdeten Bäumen zum Schutz vor Stammbrütern mit Insektiziden unter Beachtung aller rechtlichen Auflagen erwogen werden. Haben Bodenanalysen ergeben, dass mit den Wassermassen Schaderreger oder unerwünschte Pflanzen in bedeutende Areale eingeschleppt wurden, empfiehlt sich im engen Kontakt mit Fachinstitutionen (amtlicher Pflanzenschutzdienst) die engmaschige Kontrolle der Entwicklung, um begleitend Maßnahmen zur Schadensabwehr durchzuführen. 

Die langfristigen Schadentwicklungen werden in der Regel unterschätzt, auch sind sie wissenschaftlich kaum belegt. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass in der Praxis zur Verfügung gestellte Finanzmittel zur Entschädigung oft nicht ausgeschöpft werden. 

Beachtet werden muss in diesem Zusammenhang auch der Deichschutz an Flüssen und Seen. Nach Flutereignissen ist daher auch die bisherige Höhe zu überprüfen, aber auch der Zustand der Deiche selbst ist elementar (Abb. 13). Die Bekämpfung der Bisamratte wird aktuell unterschätzt, legt doch die große Wühlmaus in den Deichen ihre Bauten an und destabilisiert merklich die technischen Schutzanlagen. Das gleiche gilt für Baumbestände, die ihre Wurzeln im Deichkörper entwickelt haben. Besonders nach Dammbrüchen müssen also die Ursachen hierfür erkannt und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

 

Zusammenfassung

Die zunehmenden Überflutungsereignisse der letzten Jahre zeigen die großen Schäden im Gestaltungsgrün vorrangig im Bereich der Städte auf. Forschungsdefizite in der funktionalen Pflanzenverwendung und der Durchführung von effizienten Sanierungsmaßnahmen in hochwasserbelasteten Gebieten werden offensichtlich. Neben der Vorsorge sind Gesamtkonzepte zu entwickeln und in die Praxis einzuführen, die eine funktionale Gestaltung von Flussläufen und Küstengebieten auch wirtschaftlich sinnvoll erscheinen lassen. Hieraus ergeben sich für Gehölzsachverständige vielfältige Tätigkeiten.

 

Resistenz verschiedener Baumarten gegenüber Wasserüberschuss

(aus: Balder, 1998)

TolerantMäßig tolerantIntolerant
Nyssa aquatica
Fraxinus profunda
Fraxinus pennsylvanica
Salix nigra
Salix fragilis
Salix purpurea
Alnus glutinosa
Taxodium distichum
Sequoia sempervirens
Quercus palustris
Populus deltoides
Platanus occidentalis
Acer negundo
Acer rubrum
Acer saccharinum
Fraxinus exelsior
Ulmus glabra
Populus nigra
Populus-Hybriden
Ulmus americana
Celtis occidentalis
Celtis laevigata
Liquidambar styraciflua
Robinia pseudoacacia
Tilia americana
Prunus serotina
Liriodendron tulipifera
viele Koniferen-Arten

Text und Fotos Prof. Hartmut Balder

Quellen:

Balder, H., 1998: Die Wurzeln der Stadtbäume. Ulmer Verlag, Stuttgart 

Balder, H.; Wagner, J.-P., 2016: Grünflächenmanagement für hochwassergefährdete Baumstandorte. NL, 34 -39

Balder, H., 2025: Chancen und Risiken der Gehölzverwendung in der Schwammstadt. ProBaum 1, 14-24

Balder, H.; Antoni, D., 2025: Hochwasser und die Auswirkungen auf Gehölze. ProBaum 3, 2 - 9

Balder, H., 2026: Kritische Erkenntnisse bei der Gehölzverwendung in der Schwammstadt. GALABAU Journal 1, 16 - 21

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMU), 2016: Den vorbeugenden Hochwasserschutz stärken. www.bmub.bund.de

Copernicus Bericht, 2025: climate.copernicus.eu

GDV, 2024: Datenservice zum Naturgefahrenreport 2024, Berlin

Munich RE, 2025: www.munichre.com

UBA, 2011: Hochwasser. Verstehen, Erkennen, Handeln! Dessau