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Großveranstaltungen im Fokus

Neues Tätigkeitsfeld für den GALABAU

Städte und Gemeinden sind in den privaten und öffentlichen Freiräumen gesellschaftlich, politisch und rechtlich zunehmenden Herausforderungen ausgesetzt. Insbesondere der Klimawandel, die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur und die Eventisierung urbaner Räume lösen vielerorts einen generellen Umbau der blau-grünen Infrastrukturen aus, so dass hohe Investitionen mit Weitblick und Nachhaltigkeit getätigt werden müssen. Das Spannungsfeld zwischen den ökologischen Schutzanforderungen grüner Freiräume und ihre vielfache Nutzung wächst, klein- und großräumige Veranstaltungen benötigen daher eine Neuorientierung in Planung, Durchführung und Nachbearbeitung. Für GaLaBau-Betriebe sind interessante Tätigkeitsfelder absehbar.

Die urbane Gesellschaft nutzt einmalig oder auch regelmäßig sowohl versiegelte als auch sensible Grünflächen u.a. für kulturelle, sportliche und politische Veranstaltungen. Wochen- und Flohmärkte, Marathonläufe, Straßenfeste, Jahrmärkte, traditionelle Karnevalsumzüge und Schützenfeste sind feste Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens und sind touristisch überregional attraktiv. Während in der Vergangenheit diese Events konzentriert auf dem Dorfplatz oder der Festwiese stattfanden, werden heute hierfür zunehmend und großräumig Parkanlagen und Stadtquartiere genutzt. Insbesondere Großveranstaltungen ziehen ein Millionenpublikum an, so dass Veranstalter und Städte großes Interesse haben, die mediale Aufmerksamkeit für ihr Stadtmarketing und mit ökonomischen Zielen zu nutzen (Abb. 1). Neben genehmigten Veranstaltungen finden insbesondere auf öffentlichen Räumen darüber hinaus auch ungenehmigte Demonstrationen, Partys und Versammlungen statt. Die Kosten für die Bereitstellung der Flächen, Schutzmaßnahmen für sensible Grünflächen und technische Infrastrukturen, Sicherheitskonzepte, Logistik und Nachbearbeitung werden häufig vertraglich geregelt, immer häufiger wird privaten Veranstaltern ein finanzielles Pfand abverlangt. 

Die Garten- und Grünflächenämter als "Treuhänder des öffentlichen Grüns" und gleichzeitig als "bürgernahe Dienstleistungsbetriebe" stehen daher vor der großen Aufgabe, Erlebnissuchenden attraktive, aber dennoch im Stadtgrün verträgliche Veranstaltungsangebote zu machen (Jung, 2013). Umfangreiche Schutzmaßnahmen und der Einsatz von Sicherheitspersonal sind heute fester Bestandteil von Großveranstaltungen im Stadtgrün (Abb. 2). Gleichzeitig geraten die Grünverwaltungen zunehmend unter den Eventisierungsdruck der Stadtverwaltungen, so dass als Folge zunehmend Ausnahmegenehmigungen für Veranstaltungen auf nicht immer geeigneten Grünflächen ausgesprochen werden. Diese Veranstaltungsnutzungen führen zu vielen Konflikten in der Bevölkerung und innerhalb der Verwaltungen, weil die Beeinträchtigungen für das Stadtgrün groß sind und ein Großteil der Kosten von der Allgemeinheit getragen wird. 

 

Belastungen des Stadtgrüns

In mehrjährigen Studien wurden die akuten und chronischen Folgen für das Stadtgrün durch Großveranstaltungen in Berlin wissenschaftlich untersucht (Balder, 2002; Mayer, 2026). Die Schadensbilder lassen sich wie folgt zusammenfassen:

 

  • Bodenverdichtung, Zerstörung von Grasnarben

    • Dichtgedrückter Boden: Durch größere Menschenansammlungen (Abb. 3), schwere Lastfahrzeuge (z. B. für Bühnenaufbauten, Jahrmärkte) und Materiallagerungen wird der Boden extrem verdichtet. Regenwasser kann nicht mehr versickern und fließt oberflächlich ab.

    • Plattgewalzte Rasenareale: Nach Großevents müssen oft großflächig Rasenflächen komplett ausgetauscht oder kostenintensiv neu angesät werden.

    • Zertrampelte Blühwiesenmischungen: Sensible Blühwiesen werden vielfältig zerstört und dort lebende Insekten durch Tritt getötet. Sie müssen kostenintensiv neu angelegt werden.

  • Mechanische Schäden an Bäumen und Sträuchern

    • Wurzel- und Rindenschäden: Rangierende Fahrzeuge, das Verlegen von Kabeltrassen oder das unvorsichtige Aufstellen von Absperrgittern reißen die Rinde von Stämmen ab oder beschädigen oberflächennahe Baumwurzeln. 

    • Vandalismus und Klettern: Besucher reißen im Gedränge Äste ab oder zertrampeln das Unterholz und Strauchschichten. Trampelpfade werden zur dauerhaften Schädigung. Neupflanzungen sind unausweichlich. 

  • Chemische und biologische Belastungen

    • Wildpinkeln: Bei mangelhaften Sanitäranlagen weichen Besucher in die Gebüsche und an Baumstämme aus. Die hohe Konzentration von Urin im Boden führt zu akuten Verätzungen von Wurzeln und Blättern.

    • Schadstoffeinträge: Auslaufende Betriebsstoffe von Aggregaten, weggeworfene glimmende Zigarettenkippen (Nikotineintrag ins Grundwasser) und großflächiges Grillen verbrennen die Grasnarbe und belasten das Erdreich.

  • Müllberge 

    • Verzögerte Regeneration: Durch das Hinterlassen von Mikroplastik, Scherben und Partymüll, der oft wochenlang im Gras liegt, wird die natürliche Erholung der Vegetation beeinträchtigt (Abb. 4). Der Boden ist nachhaltig geschädigt, Flora und Fauna verlieren temporär oder dauerhaft ihren Lebensraum.

Die Genehmigungsbehörden gehen immer mehr dazu über, den Veranstaltern Auflagen zu erteilen, um z. B. der Vermüllung entgegenzuwirken. So sollen Vorgaben zu Partygeschirrverwendung, Pfandflaschensysteme, großlumige Müllbehälter und Aufklärungskampagnen an Akteure und Besucher den Müllberg merklich reduzieren (Abb. 5).

 

Tätigkeitsfelder für den GALABAU

In Hinblick auf Unterhaltung, Sanierung und Neuanlage sind vielfältige landschaftsgärtnerische und baumpflegerische Tätigkeiten rund um Veranstaltungen gefordert. Diese können sowohl von kommunalen Betrieben als auch von externen Dienstleistern verantwortungsvoll wahrgenommen werden. Hierzu zählen:

 

  • Tätigkeiten im Vorfeld 

    • Überprüfung der Verkehrssicherheit von Park- und Straßenbäumen im vorgesehenen Veranstaltungsbereich (Baumkontrolle)

    • Überprüfung auf Arten- und Naturschutz relevante Organismen

    • Überprüfung auf Allergie auslösende Organismen, z. B. Eichenprozessionsspinner, Bärenklau, Ambrosia

    • Baumpflegerische Maßnahmen zur Herstellung der Verkehrssicherheit

    • Beratung zum Schutz von Rasenflächen, Pflanzrabatten, Wurzelbereiche 

    • Rasen- und Wiesenmahd 

    • Hecken- und Strauchschnitt zur Stabilisierung

    • Aufbau von Schutzgittern und -zäunen im Umfeld von sensiblen Grünarealen

    • Bewässern zur Stabilisierung von Pflanzrabatten, Sträuchern und Baumbeständen

  • Tätigkeiten im Nachgang 

    • Aufzeigen von Schäden und zu ergreifende Maßnahmen

    • Aerifizierung und Düngung von geschädigten Rasen- und Wiesenflächen (Abb. 6)

    • Neueinsaat von zerstörten Rasen-, Wiesen- und Blüharealen

    • Belüften von verdichteten Böden

    • Bewässern von Grünarealen zur Förderung der Regeneration und Schadstoffauswaschung

    • Rückschnitt/Nachpflanzung von geschädigten Hecken und Strauchrabatten

    • Überprüfen der Verkehrssicherheit von Baumbeständen

    • Baumpflegemaßnahmen bei

 

Baumschäden

Im Sinne eines gesamtheitlichen Veranstaltungsmanagements ist es sinnvoll, eine angedachte Veranstaltung und die dafür vorgesehene Fläche auf ihre Verträglichkeit hin zu überprüfen. GALABAU-Sachverständige können hierbei den Zustand des Areals kartieren und dokumentieren, Probleme für die Besucher erkennen, Schutzmaßnahmen und Auflagen formulieren und Alternativen aufzeigen. Auch bei der Festlegung einer finanziellen Rücklage, z. B. nach der Koch´schen Wertermittlung, können sie für Kommunen und Privatgrundstücksbesitzer tätig werden. Während der Veranstaltung und nach Beendigung derselben können sie Schäden ermitteln, den Sanierungsbedarf bzw. Neuanlagen aufzeigen und die finanziellen Schadenssummen berechnen. 

 

Klimawandel und die Folgen

Mit den Klimaveränderungen steigen auch die Gefährdungen für die problemlose Durchführung von Großveranstaltungen, besonders durch Starkregen, Hochwasser, Gewitter, Sturm und Hitze. Immer wieder wurden in der Vergangenheit Veranstaltungen abgebrochen, zeitlich oder örtlich verlegt und sogar abgesagt (Abb. 7). Die Durchführung mehrtägiger Veranstaltungen ist hierfür besonders anfällig, wie aktuell die Fussball-WM 2026 offenbart hat. Veranstalter und Kommunen sind daher verstärkt gefordert, sich prinzipiell auf eine wetterfeste Veranstaltungsplanung einzurichten. Eine frühzeitige Risikoanalyse in Hinblick auf zu erwartende Wetterextreme und Sicherheitsmaßnahmen müssen weitsichtig elementarer Bestandteil einer individuellen Standortbewertung sein: 

 

  • Welche Flächen sind regen- oder windanfällig? 

  • Gibt es Gefahren durch Hitze oder unzureichende Entwässerung? 

  • Was muss das Sicherheitskonzept festlegen?

  • Wie müssen entsprechende Evakuierungspläne aussehen?

  • Wer trifft im Falle von Wetterwarnungen Entscheidungen?

  • Wie ist eine enge Abstimmung mit der Feuerwehr, dem Rettungsdienst, dem Ordnungsamt und Sicherheitsdiensten abzusichern?

 

Für die sichere Durchführung einer Veranstaltung ist eine kontinuierliche Wetterbeobachtung zwingend, die Verkehrssicherheit von Altbäumen steht dabei besonders im Fokus, um Besucher und Aktive vor herbabfallenden Ästen und umfallenden Bäumen zu schützen. 

 

Fazit

Die Beeinträchtigungen urbaner Grünflächen durch Großveranstaltungen sind belegt, vor dem Hintergrund der zu erzielenden Überschirmung der Stadt (EU-Restoration Law) sind Optimierungen dringend erforderlich. Eine neue Studie zeigt, dass die Freiraumverträglichkeit kein statischer Zustand ist, sondern ein dynamisches Zusammenwirken ökologischer Belastungsgrenzen, klimatischer Einflüsse, institutioneller Steuerungskapazitäten und gesellschaftlicher Nutzungsansprüche (Mayer, 2026). Bestehende Bewertungsverfahren sind weitgehend auf einmalige, vorgelagerte Standortprüfungen beschränkt, hingegen fehlt eine zeitliche Erfassung von Belastungsverläufen und Regenerationsprozessen. Umfragen verdeutlichen, dass Veranstaltungsbelastungen von der Bevölkerung wahrgenommen werden und ein nachhaltiges Veranstaltungsmanagement die gesellschaftliche Unterstützung findet. Strukturelle Defizite in der Genehmigungspraxis sind weit verbreitet, die Freiraumverträglichkeit ist aber stark von Planbarkeit, Steuerbarkeit und institutioneller Einbindung abhängig. Hochorganisierte Veranstaltungen verursachen deutlich geringere unkontrollierte Schäden im Freiraum (z. B. die UEFA EURO 2024) als schwer steuerbare Ereignisse wie Maikundgebungen in Berliner Parkanlagen. Ein in dieser Studie entwickeltes Adaptives Freiraumverträglichkeits-Profil (AFVP) überführt ökologische, klimatische, rechtlich-organisatorische, soziale und ökonomische Bewertungskriterien in einen quantifizierbaren Freiraumverträglichkeits-Index (FVI, 0–100) und dient künftig als Planungsinstrument für allen grünen Akteure.

 

Der GALABAU ist aufgefordert, sich in der Weiterentwicklung der grünen Infrastruktur vielfältig einzubringen, um so die finanziellen Investitionen der Städte in die öffentliche Infrastruktur abzusichern und nicht durch Freiraum unverträgliche Großveranstaltungen zu gefährden. 

Abb. 1: Großveranstaltung mit Stadtmarketing – Fußball-EM 2024 in Berlin mit Brandenburger Tor.

Abb. 2: Schutzmaßnahmen bei der Love Parade im Berliner Großen Tiergarten.

Abb. 3: Veranstaltungsbesucher in ungeschützten Parkarealen während der Love Parade in Berlin.

Abb. 4: Müllberge und Schadstoffeinträge auf ungeschützten Straßenarealen nach einem Straßenfest.

Abb. 5: Großplakatiger Hinweis zur Müllvermeidung während der Fußball-EM 2024 in Berlin.

Abb. 6: zertrampelte und vertrocknete Rasenfläche nach dem Fest.

Abb. 7: Wacken-Rockfestival nach Starkregen © S. Zibell

Text und Fotos Prof. Hartmut Balder und Jule Mayer

Quellen:

Balder, H., 2002: Schäden am Stadtgrün durch Großveranstaltungen. Stadt+Grün 1/2002, 13-17.

Jung, B., 2013: Konfliktfeld Veranstaltungen auf Grünflächen. Stadt+Grün 12/2013, S. 50

Mayer, J., 2026: Großveranstaltungen im Spannungsfeld urbaner Umwelt - Herausforderungen für ein nachhaltiges Grünflächenmanagement. Masterarbeit BHT Berlin