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Bepflanzung von Baumscheiben

Die bei einer Baumpflanzung entstehenden Baumscheiben und  Baumstreifen erfodern eine entsprechende Gestaltung. Sie mit einem Gitter, Rost oder (vermeintlich) luftdurchlässigen Pflaster zu bedecken mag manchmal erfoderlich sein, ist aber in der Regel ungünstig für die weitere Entwicklung des Baumes. Unsere Bäume wachsen an ihren Naturstandorten in Beziehung mit der Strauch- und Krautschicht. Eine gezielte Unterpflanzung könnte ein weiterer Punkt zur Verbesserung ihrer Standortbedingungen und Vitalität sein (Heinrich, 2017), wertet darüber hinaus den Standort auf und schafft Lebensräume sowie Nahrung für Insekten und Vögel. Ein stabiler mechanischer Schutz verhindert, dass die Flächen dennoch betreten, als Parkfläche für PKW, Abstellplatz für Fahrräder oder Hundetoilette genutzt werden.

Boden und Substrat

Sofern in den Baumquartieren ein vegetationsfähiger Boden ansteht, in den die Bäume gepflanzt wurden, kann in diesen auch die Unterpflanzung oder Ansaat erfolgen. Oft bestehen jedoch Vorbehalte bez. der Verwendung von Oberboden aus der Furcht vor unerwünschte Arten, die die geplante Pflanzung/Ansaat erschweren. Deshalb wird häufig der Oberboden in den Bereichen zwischen den Bäumen oder um den Baum herum ca. 20 cm tief ausgehoben und die Fläche mit Baum- oder Dachsubstrat (intensiv) verfüllt. Einfacher ist die Situation, wenn die Pflanzung insgesamt mit Baumsubstrat ausgeführt wurde. Baumsubstrate nach den Bestimmungen der FLL „Empfehlungen für Baumpflanzungen, Teil 2“, RAL-Substrate für Pflanzen oder ZTV-Vegtra-Mü eignen sich grundsätzlich auch für die Pflanzung von Stauden (Schönfeld 2019). Die Körnung 0/32 mm ist jedoch sowohl für die Pflanzung von Stauden als auch Ansaaten zu grob. Für Staudenunterpflanzungen ist die Körnung 0/16 mm besser geeignet. Für eine Ansaat ist auch das noch zu grob. Das Baumsubstrat sollte mit einer dünnen Schicht Feinboden bedeckt werden. Bevorzugt sollten örtlich hergestellte Substrate aus lokalen Grundstoffen eingesetzt werden an Stelle von Substraten weit entfernter Hersteller mit langen Transportwegen.

Der Nährstoffgehalt des Bodens oder Substrats spielt für die Pflanzplanung eine wesentliche Rolle. Eine Nährstoffanalyse ist immer sinnvoll und hilft bei der Auswahl der geeigneten Stauden- und Gehölzartenarten oder Ansaatmischungen. Sofern einzelnen Nährstoffe fehlen, kann gezielt nachgedüngt werden.

Die langjährigen Nährstoffuntersuchungen der Baumsubstrate im Rahmen des Projekts „Stadtgrün 2021+“ der LWG Veitshöchheim zeigten, dass diese Substrate, gemischt nach den Anforderungen der FLL „Empfehlungen für Baumpflanzungen, Teil 2“, keinesfalls als nährstoffarm zu bezeichnen sind! (Klemisch, Schönfeld, Böll, 2024) Die Gehalte der einzelnen Nährstoffe unterscheiden sich allerdings in Abhängigkeit von den verwendeten Materialien. Sofern für die Pflanzung oder Ansaat Arten von Magerstandorten vorgesehen sind müsste bei der Verwendung von Baumsubstrat dann speziell ein mageres Substrat gemischt werden. Auf jeden Fall müssen sowohl die Bäume als auch die vorgesehene Unterpflanzung in Bezug auf ihre Nährstoff- und pH-Wert Ansprüche zueinander passen. 

Bei der Unterpflanzung von bestehenden Bäumen ist die Situation schwieriger. In Abhängigkeit von der Baumart und -alter sowie der Größe der Baumscheiben sind diese mehr oder weniger stark durchwurzelt. Zur Vorbereitung einer Unterpflanzung muss der anstehende Boden vorsichtig und unter Schonung der Wurzeln (!) gelockert werden. Oft ist es sinnvoll die Bodenlockerung mit einer Entfernung der obersten Bodenschicht durch Saugbagger zu verbinden. Die Lockerung und das Auffüllen mit Substrat schafft nicht nur die Grundlage für die erfolgreiche Etablierung einer Unterpflanzung, sondern kommt auch dem Baum zugute. Falls diese Maßnahmen noch nicht ausreichen, ist es möglich, zusätzlich die Baumscheibeneinfassung etwas zu erhöhen, so dass etwas mehr Boden und Substrat aufgefüllt werden kann (wenige Zentimeter!). Ggf. können an Stelle von fertig kultivierten Normalstauden auch Jungpflanzen mit einem kleineren Ballen gepflanzt werden, die sich angesichts der schwierigen Standortbedingungen leichter etablieren. Das gilt in ähnlichem Maße auch für Gehölze.

Ansaaten

Die Ansaat von blütenreichen Saatmischungen ist ein einfaches und preiswertes Mittel zur Begrünung von Baumscheiben. Die einschlägigen Anbieter bieten verschiedene Mischungen für unterschiedliche Standortgegebenheiten und gestalterische Ansprüche an. Mischung mit salzverträglichen Arten eignen sich besonders für streusalzbelastete Flächen. Die Hinweise der Hersteller zur Ansaat und dem späteren Mähregime sind zu beachten. Mit dem Auflaufen der Arten ist ggf. ein Pflegedurchgang zur Entfernung unerwünschter Arten oder ein Schröpfschnitt erforderlich. Vor allem bei frisch gepflanzten Bäumen sollte unbedingt im Bereich des Stammfuß ein Bereich (Gießrand) frei bleiben, um dem Baum das Einwachsen zu erleichtern. Das gilt auch und besonders, wenn lediglich Rasen eingesät oder Rollrasen verlegt wird. Ein Schutz am Stammfuß verhindert spätere Rindenschäden durch Mäharbeiten. Wenn Wert gelegt wird auf ein langanhaltendes Nahrungsangebot für blütenbesuchende Insekten hat sich in den Versuchen von Krimmer, Marzini und Eppel-Hotz (2023) eine Mischung aus Wildpflanzen gebietseigener, heimischer und nichtheimischer Herkunft in abgewogener Mischung am besten bewährt. 

Stauden

Die Staudenauswahl richtet sich nach den Standortbedingungen, die von den vorhandenen Bäumen, deren Alter, Größe und Kronenform bestimmt werden. Unter neu gepflanzten Bäumen können in der Regel Stauden des Lebensbereiches „trockene Freifläche“ verwendet werden. Unter älteren Bäumen eignen sich Arten aus den Lebensbereichen „Gehölzrand“ und „Gehölz“. Die einfachste Form der Bepflanzung sind Monokulturen aus konkurrenzstarken Bodendeckern (Geranium & Co.). gestalterisch ansprechender und ökologisch wertvoller sind artenreiche Pflanzungen. Als Alternative zu individuell geplanten Staudenpflanzungen haben sich Staudenmischpflanzungen auch auf Baumscheiben bewährt. Der Bund deutscher Staudengärtner hat speziell für die schwierigen Standorte unter älteren eingewachsenen Bäumen das Merkblatt „Pflanzkonzepte für Baumscheiben und trockenschattige Gehölzbereiche“ veröffentlicht. 

Im Rahmen des „Forschungsprojekt Turbinenplatz Zürich“ gehen Axel Heinrich und Nadin Kruschwitz von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil im Auftrag von Grün Stadt Zürich der Frage nach, wie funktional an den Klimawandel angepasste Baumscheiben aussehen könnten und ob sich dieser „Baukasten für die Baumscheibenbepflanzung“ auf andere Standorte übertragen lässt. Der Versuch umfasst 28 Baumscheiben, Größe 7 oder 9 m2, sowie drei Baumarten: Ostrya carpinifolia, Pinus sylvestris und Quercus frainetto. Abweichend von den klassischen Funktionen als Leit-, Begleit- und Bodendeckerstaude wurden den Arten hier entsprechend ihren ökologischen und strategischen Funktionen andere Rollen zugewiesen. Das Baukasten-Prinzip unterscheidet „Vegetationsvolumen mit hohen Stauden“, „Langlebige für die Grüntextur“, „Bodenkriechende“, „Ruderalstrategen“ sowie „Einsaaten“. Pflanzung und Einsaat erfolgten im Mai 2021. Bereits im Oktober 2021 konnte ein Deckungsgrad von 80 bis 95 % erreicht werden. Die Bonituren der Pflanzungen wird in den kommenden Jahren fortgesetzt. 

Gehölze

Weit verbreitet ist die Bepflanzung von Baumscheiben mit niedrigen und oft Ausläufer treibenden Kleingehölzen – oft als Monokultur. Das ist sowohl planerisch als auch gestalterisch einfach. Man lässt die Arten frei wachsen und schneidet sie nur, wenn sie über den Rand der Baumscheibe hinauswachsen. Formschnittverträgliche Arten lassen sich kastenförmig schneiden, was gestalterisch gut in ein entsprechend gestaltetes Umfeld passt. Es schützt den Baum und die Baumscheibe zuverlässig vor dem Betreten und Befahren, Hunden etc. Der Stammfuß sollte immer frei bleiben, da dieser im Rahmen der Baumkontrollen auch inspiziert werden muss. 

Gehölze und Stauden

Diese Bepflanzungsform stellt die gestalterisch attraktivste allerdings planerische auch anspruchsvollste Aufgabe dar. Um die Planung zu vereinfachen, forscht Axel Heinrich (2017) von der ZHAW in Zusammenarbeit in Basel und Schaffhausen an der Entwicklung von „Gehölzbetonten Pflanzensystemen“. Der Versuch umfasst unterschiedliche Module. In Basel umfassen die Module 47 verschiedene Pflanzenarten. Ziel des Versuchs ist es herauszufinden, welche Arten geeignet sind, wie hoch der Pflegeaufwand ist, ob sie die Vitalität der Bäume verbessern und ob sich aus den Ergebnissen Module, vergleichbar mit den Staudenmischpflanzungen, entwickeln lassen. Die Gehölze werden in kleinen Größen (Topfballen, 1 bis 1,5 Liter) oder wurzelnackt gepflanzt. Die Pflanzdichte bei den Stauden beträgt 5,5 St./m2. Die Stauden- und Gehölzarten wurden so ausgesucht, dass eine Höhenkontrolle durch Schnitt nicht erforderlich ist. Die Kombination der unterschiedlichen Arten, heimische als auch nicht heimische, soll nach der Etablierung unerwünschte Arten auskonkurrieren und nicht mehr Pflegeaufwand erfordern als die sonst üblichen Gehölz-Monokulturen. 

Literatur

Forschungsgesellschaft Landschaftsbau und Landschaftsentwicklung (FLL) (Hrsg.) (2010): Empfehlungen für Baumpflanzungen – Teil 2. Bonn

Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen e.V. (Hrsg.) (2018): RAL-GZ 250:2018-05, Substrate für Pflanzen. Beuth-Verlag, Berlin

Heinrich, A. und Saluz, A.G. (2017): Die Logik der „Gehölzbetonten Pflanzensysteme“. Stadt und Grün, 3, S. 26-30

Heinrich, A., Kruschwitz, N. (2022): Forschungsprojekt Turbinenplatz Zürich, Zwischenbericht 2021. Hrsg.: ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Forschungsgruppe Pflanzenverwendung und Grün Stadt Zürich, 25 Seiten

Klemisch, M.; Schönfeld, P.; Böll, S.: (2024): Erste systematische Nährstoffuntersuchungen seit 24 Jahren. ProBaum, 1/2024, S. 28-39

Krimmer, E., Marzini, K., Eppel-Hotz, A. (2023): Biodiversität im innerstädtischen Straßenbegleitgrün. Neue Landschaft 6, S. 29-34

Landeshauptstadt München Baureferat Gartenbau (Hrsg.) (2018): Zusätzliche Technische Vorschriften für die Herstellung und Anwendung verbesserter Vegetationstragschichten (ZTV-Vegtra-Mü). Kostenloser Download: https://stadt.muenchen.de/infos/baureferat-ausschreibungen-informationen.html

Dr. Philipp Schönfeld

dr.schoenfeld_nuernberg@web.de